Die Hamburger Erklärung geht am Thema vorbei

Ich hatte neulich schon einmal etwas über die Hamburger Erklärung der deutschen Verlage geschrieben, in der die Verlage ein erweitertes Leistungsschutzrecht fordern. Ich hatte unter anderem geschrieben, dass es die Möglichkeit der Verlage gibt sich in einer konzertierten Aktion aus dem Google Index zu entfernen und Druck auf Google auszuüben. Ich hatte geschrieben, dass keine neuen Gesetze von Nöten sind, sondern privatwirtschaftliche Verträge.

Mein Arbeitgeber(über den ich hier eigentlich schon lange etwas schreiben wollte) TRG – The Reach Group GmbH hat nun Zahlen zum Thema veröffentlicht. Nur 5% der Suchergebnisse, die für Google werbetechnisch relevant sind werden von Zeitungen der Unterzeichnerverlage geliefert. 5% der Werbeeinnahmen werden also durch die Verlinkung und das Zitieren von Verlagsinhalten generiert. Eine Größenordnung auf die Google wohl locker verzichten können dürfte, zumal genügend andere Inhalte zur Verlinkung bereit stehen. Die Verlage haben durch ihre vielen einmaligen Inhalte und riesigen Archive ein enormes Potenzial, dass sie ungenutzt lassen. So lange dieses Potenzial nicht ausgeschöpft wird kommen weniger Besucher über Google auf die Webseiten der Verlage. Würden die Verlage dieses Potenzial nutzen würden auch die Einnahmen der Verlage durch Werbung deutlich steigen. Aber das hatte ich glaube ich auch schon erwähnt

Die Pressemitteilung kommt gerade recht. Wird doch in der deutschen Bloggergemeinde gerade eifrig diskutiert, wie die Gegenstellungnahme einiger prominenter Blogger zur Hamburger Erklärung (internet-manifest.de) zu bewerten ist. In meiner Wahrnehmung wird vor allem über die Frage diskutiert, ob die Stellungnahme weitgehend genug und innovativ ist. Nicht darüber ob die Stellungnahme gegen die Verlage falsch sei. Gleichzeitig hat Frank-Walter Steinmeier vor zwei Tagen seine Ideen zur Online-Presselandschaft verkündet und damit Schiffbruch erlitten.

[Nachtrag]
Meine Kollegin Astrid „nerdinskirt (Twitter) hat die Pressemeldung übrigens schön zusammengefasst: Verleger vs. Google: Verlage schöpfen ihr Potential nicht aus

Leider sind die Ergebnisse recht ernüchternd: obwohl der gesamte deutsche Google-Index zu 4% aus Verlagsinhalten besteht (das 250-fache der deutschen Wikipedia!), sind auf den Top-Positionen 1-10 nur 5% Verlagsinhalte zu finden.

Gerade die erste Seite des Googleindex ist entscheidend. Hier finden wir bei 13% (!) aller Treffer auf Position 1 Angebote von Wikipedia, obwohl die Anzahl der indexierten Wikipediaseiten nicht mit der Anzahl der indexierten Verlagsseiten mithalten kann.

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