Zeitung friss oder stirb

Hinter dem Vorkämpfer Hubert Burda haben sich inzwischen 166 Verlage versammelt, die ein neues Leistungsschutzrecht fordern (PDF-Liste der Unterzeichner). Sie haben eine gemeinsame „Hamburger Erklärung“ (PDF-Version der Erklärung) aufgesetzt, in der sie die Förderung unterschreiben.

Ich hätte an dieser Stelle gern ausgeführt, was die Verlage sich konkret vorstellen, habe dazu aber keine Informationen gefunden. Bekannt ist lediglich das Ziel eines neuen Leistungsschutzrechts. Man möchte Geld von Google und zwar viel und schnell.

Eine Begründung gibtes auch dafür. Google verdient Geld mit der Leistung der Autoren, indem es die Artikel verlinkt und Mini-Zitate online stellt.
Schon diese Argumentation ist ziemlich hanebüchen. Google schaufelt den Verlage die Mehrzahl der Nutzer auf ihre Seiten. Mit diesen Nutzern auf ihren Seiten verdienen die Verlage wiederum ihr Geld. Gleichzeitig kommt ein großer Anteil des Traffics von Verlagen und Zeitungen über Google News, wo keine Werbung geschaltet wird.
Gleichzeitig ist es so, dass ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis besteht. Google braucht die wichtigen Seiten im Netz, um dem Nutzer die Informationen zu liefern, die er braucht. Die Verlage brauchen Google um an Nutzer zu kommen.

Wenn also den Verlagen nicht gefällt, dass Google mit ihren Inhalten Geld verdient,so ist es ein leichtes Google von der Aufnahme der eigenen Seiten in den Google-Index abzuhalten (Darauf hat Google auch hingewiesen). Google klopft jedes Mal, wenn es ein Seite besucht bei dieser und fragt: Welche Seiten darf ich besuchen und welche nicht. Hier das Häkchen im CMS richtig gesetzt und schon kommt Google nichtmehr vorbei und verdient auch kein Geld mehr.

Wenn das alle Verlage machen würden, könnten sie Google den Zugriff wieder erlauben, wenn Google ihnen das Geld zahlt.

Diese Entscheidung würde Google dann unter einigen Aspekten zu fällen haben.

  1. Wie wichtig sind die Inhalte für unsere Nutzer? Geht uns Glaubwürdigkeit verloren wenn wir diese Seiten nichtmehr in den Suchergebnissen anbieten?
  2. 2. Lassen wir uns von Unternehmen erpressen, die kein zeitgerechtes Produkt- und Monetarisierungskonzept anbieten? Wie viele wollen wohl hinterher noch Geld von uns?

Klar ist, dass es schon sehr deutlich sein muss, dass die Nutzer nicht einfach auf die online-Zeitungen verzichten würden, sondern die Marke Google schaden nehmewürde.

Aus politischer Sicht bin ich enttäuscht, das die CDU sich das Eintreten für ein Leistungsschutzrecht in das Programm geschrieben hat. Auf Basis der online-Politik in letzter Zeit ist das zwar kein Wunder, steht aber doch in krassem Widerspruch zu Grundsatz „Markt ist Markt und der Staat greift nur ein, wenn der private Wettbewerb gescheitert ist“. Der Wettbewerb hat an dieser Stelle ja noch gar nicht stattgefunden. Nun, die Lobbyisten haben offensichtlich gute Arbeit geleistet. Dennoch glaube ich, dass sich bei der CDU hier noch einiges tun wird. Der innerparteiliche Dialog zum Thema ist angestoßen und den gewichtigen Argumenten gegen die Einführung des neuen Leistungsschutzrechts haben Befürworter nichts entgegen zu setzen. Deshalb bleiben sie in der Diskussion ihrer eigenen Ideen im Vagen.
Klar ist, dass es kein „Lex Google“ geben kann. Also müsste jeder kommerzielle Homepage-Betreiber, also auch Blogs, für Links auf Verlagsseiten zahlen. Das kann wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Am Wochenende hatte ich Gelegenheit mit einem Mitarbeiter des Konrad-Adenauer-Hauses zu sprechen. Dieser war recht erstaunt, als ich ihm erzählte dass auch die Verlage, die die CDU und CSU – Magazine verlegen die Hamburger Erklärung unterschrieben haben.

Diese Magazine werde ich abbestellen. Ich habe keine Lust Printerzeugnisse von Verlagen zu beziehen, die so einen Quatsch unterstützen.

Hier auch noch ein Link zu einem schönen Artikel von Stefan Niggemeier: Hamburger Bankrott-Erklärung

One Response to Zeitung friss oder stirb

  1. Pingback: Die Hamburger Erklrung geht am Thema vorbei < Kommunalpolitik in Ahrensburg und Stormarn

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