Was darf Kunst? Der Ahrensburger Muschelläufer und die Folgen

So hieß die Veranstaltung des Kulturzentrums Marstall, an der ich gestern teilnehmen durfte.

Die Veranstaltung sollte ja ein Event werden und nun ja, sie war zumindest unterhaltsam. An der sehr gut moderierten Diskussion nahmen als „Kombattanten“ Harald Dzubilla, mein Kreistagskollege Dr. Heinz Graefe (Der die Veranstaltung für den Marstallverein organisierte), Landrat Klaus Plöger und ich teil.

HaraldDzubilla wies in den Eingangsstatements auf seine Ablehnung des Muschelläufers hin und stellte fest, dass Kunst gerade im öffentlichen Raum nicht alles dürfe. Heinz Graefe setzte ein und stellte eine klare Ja-Aber Position heraus. 😉
Ich habe daraufhin meine Position, der Muschelläufer ist nicht schön, soll aber bleiben, gesellschaftlicher Dialog, blablabla dargestellt. Danach kam der Landrat, der zur Gelassenheit aufrief und sich belustigt über die ganze Diskussion zeigte.
Der Landrat meinte auch, dass beste sei es eigentlich den Muschelmann mit Rädern zu versehen und so lange durch die Stadt zu ziehen, bis die Bürger einen geeigneten Standort gefunden haben. Harald Dzubilla meinte, da das Werk am Rondeel zu verbleiben habe könnte man den Muschelmann auch tieferlegen. Sprich einbuddeln und mit einer Glasplatte für diejenigen sichtbar machen, die ihn gerne sehen wollen.
Untereschiedlichste Positionen und Argumente gingen hin und her, aus dem Publikum kamen neben den üblichen Fragen, wie das Werk denn eigentlich dahingekommen ist und warum man da nichts machen könne viele sehr interessante Positionen. Insbesondere im zweiten Teil der Diskussion, der sich vermehrt um die allgemeinen Fragen drehte: Was darf Kunst? was ist Kunst? Wer ist Künstler? Was darf Gesellschaft im Umgang mit Kunst?

Eine spannende Diskussionsrunde, die in einhelliger Auffassung gelungen ist. Für mich persönlich war sie sehr amüsant, was nicht zuletzt an meinem Stehplatz neben dem Landrat gelegen hat.

Schade, dass nicht so viele Gäste da waren. 50 Gäste sind zweierlei: Zum einen ein Beleg für schwindendes Interesse am Thema Muschelläufer, zum andern ein Beleg an die Erwartung, dass das eine Diskussion ist, die für viele phasenweise zu elitär gewesen sein dürfte.

Mein Fazit der Diskussion konnte ich unter nickender Zustimmung einer Mehrheit so formulieren:

  • Den Satz „Meine Freiheit endet da, wo die Freiheit des nächsten beginnt“ lässt sich recht Problemfrei auf Kunst übertragen, womit definiert wäre, was Kunst darf.
  • Gesellschaft ist letztendlich der Staat und dieser darf sich nicht anmaßen zu entscheiden was Kunst ist, oder nicht. Allerdings hat er dafür zu sorgen, dass auch Kunst sich an geltendes Recht halte.

Über zwei Fragestellungen werde ich mich in Zukunft auf dem Laufenden halten:

  • Die von Herrn Plöger angerissene Idee des Kunstleasings
  • Die Frage, mit welchem Wert die Stadt den Muschelläufer in die Eröffnungsbilanz des doppischen Haushaltes einstellen wird. Wird der Muschelläufer mit den Anschaffungskosten bewertet? Oder ist sein „Marktwert“ durch die Diskussion gestiegen? Immerhin konnte der Künstler Bronzeminiaturen des Muschelläufers („Mini-Muschelmann-Miniplis“) ordentlich am Markt absetzen.

Insgesamt bleibt die Feststellung (mal wieder), das Kunst und Kultur ein spannendes Thema bleibt und man sich eigentlich mal die Zeit nehmen müsste sich intensiver auch mit der dahinterstehenden Debatte über Kunstphilosophie und Kunstbegriffe zu beschäftigen.

24 Responses to Was darf Kunst? Der Ahrensburger Muschelläufer und die Folgen

  1. Schade, daß ich wg. eigener Verpflichtungen nicht dabei sein konnte. Gibt es einen Videomitschnitt?
    Plögers Vorschlag für einen mobilien Muschelläufer (damit wird auch die „lauf“-Komponente endlich Realität) ist mal wieder einfach pragmatisch-genial und stellt gleichzeitig pointiert subliminal heraus, daß man es ohnehin nie allen Recht machen kann. Cool!
    Für mich ist das Fazit: Die Leute haben sich dran gewöhnt. Kunst, die an- und aufregt, ist besser, als das Geld für ignorierte Denkmäler auszugeben. Der Blaumann soll, nein muß, da bleiben, wo er ist.

  2. Als Beteiligter bedaure ich, dass der Marstall nicht gefüllt gewesen ist. Da ich als einziger Nicht-Politiker (!) in der Diskussionsrunde stand, habe ich auch als einziger Diskutant die „Volksinteressen“ vertreten und daran erinnert, dass bei der MAKRT-Abstimmung eine gewaltige Mehrheit für eine Versetzung des Muschelläufers plädiert hat und dass auch die Ahrensburger Stadtverordneten mit absoluter Mehrheit für eine Versetzung gestimmt haben.

    Erheitert hat mich der freundliche Hinweis vom „belustigten“ Landrat Plöger, ich solle das Thema Blaumann doch relaxter sehen. Ich habe ihm gesagt: Wenn ich wie er in Bargteheide (?) wohnen würde, wäre ich genauso belustigt wie er.

    Der Hinweis, der „Muschelläufer“ könnte im Wert gestiegen sein, weil der Künstler davon sogar Miniaturen verkauft habe (wie viele wirklich? Eine? Oder gar zwei?), diese Prognose habe ich mit dem Hinweis auf „merda d’artista“des italienischen Konzeptkünstlers Piero Manzoni beantwortet.

    Auch habe ich folgende Geschichte erzählt:

    Berthold Brecht debattierte stundenlang mit Freunden über die Frage: Was ist Kunst? Schließlich erkannte einer: „Kunst ist, wenn man mitten in die Stube scheißt!

    Brecht überlegte und sagte: Nein. Sondern Kunst ist, wenn man unter Beifall mitten in die Stube scheißt!

    Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass das Rondeel die gute Stube von Ahrensburg ist. Und der Blaumann bekommt von mir keinen Beifall, weil er dort nicht hingehört. Ich habe nichts gegen Kitsch, aber alles an seinem Platz! Und: Was aufregt und diskutiert wird, muss deshalb noch lange nicht positiv sein. Beweis: Auch die derzeit marode Wirtschaftslage regt auf und wird diskutiert!

    PS: In der letzten Einwohnerfragestunde hat wieder ein Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass ein Kind beim Spielen vom Muschelläufer gestürzt ist und sich verletzt hat. Wie lange will die Stadt noch zusehen? Bis das erste Kind im Rollstuhl sitzt…?

  3. Ach Herr Dzubilla 🙂

    Was mir dazu einfällt ist:
    – Herr Plöger wohnt in Barsbüttel
    – Es klingt etwas weit hergeholt und nachgeschoben, jetzt mit Verletzungsrisiko zu argumentieren, zumal das Kunstwerk nicht als Klettergerüst konzipiert und aufgestellt wurde und es auch noch sowas wie Aufsichtspflicht der Personensorgeberechtigten gibt
    – außerdem zitieren Sie Brech mit „Kunst ist, wenn man unter Beifall mitten in die Stube scheißt“ aber verstehen ihn falsch: Denn Brecht hat nicht gemeint, daß eine Mehrheit applaudiert, sondern nur, daß applaudiert wird. Und es gibt genug Leute, die dem „Blaumann“ Applaus spenden (mal abgesehen davon, daß bisher nie geklärt wurde, wo die Mehrheit der Ahrensburger in dieser Frage stehen würde, es sei denn Sie wollen allen ernstes mit irgendwelchen nicht einmal ansatzweise systematisch sauberen, repräsentativen oder gar demokratischen Befragungen argumentieren)
    – Was ich aber offengestanden völlig daneben finde ist Ihre verwegene und vermessene Behauptung, daß nur Sie in der Runde die Volksinteressen vertreten haben. Volksvertretern, die demokratisch direkt mit Mehrheit gewählt sind, sprechen Sie also das Recht ab, das Volk zu vertreten? Ah ja! Ich denke, da muß man dann in der Tat nicht mehr viel dazu sagen, denn ganz offensichtlich meinen Sie ja viel besser als alle anderen zu wissen, was richtig und wahr und Mehrheitsmeinung ist. Vielleicht sollten Sie gerichtlich die Abschaffung der Kommunalwahl in Ahrensburg durchsetzen, damit endlich das vermeintlich wirklich richtige Volksinteresse von Ihnen diktiert werden kann.

  4. Nachtrag zu „Rabuzilla“ 🙂

    „Beweis: Auch die derzeit marode Wirtschaftslage regt auf und wird diskutiert!“

    Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Es ging gerade um den speziellen Charakter von Kunst als Denk- und Gesprächsanstoß. Es ist schade, daß Sie in der Diskussion immer so viel verdrehen und verbiegen, das haben Sie doch eigentlich gar nicht nötig (nein, nicht weil Sie die besseren Argumente haben, sondern weil es nicht Ihr Niveau sein sollte).

  5. @ Stecki

    Zum einen: Ich habe hinter „Bargteheide“ ja auch ein Fragezeichen gesetzt, wenn Sie das bitte mal nachlesen wollen!

    Zum anderen: Das Schöne ist ja, dass sich der Bürger in Ahrensburg genauso seine Meinung bilden kann wie der Leser dieses Blogs. Und noch etwas, weil Sie offensichtlich überhaupt nicht informiert sind: Bürgermeisterin Pepper hat in der Bürgerfragestunde ausdrücklich erklärt, dass der Muschelläufer als „bespielbares Kunstwerk“ konzipiert worden ist. Also: Erst mal informieren, bevor Sie hier agieren. Das gilt auch für den Rest Ihres Pamphlets.

  6. Ich hatte Barsbüttel genau deswegen erwähnt, um ihr Fragezeichen zu beantworten. Gehört zum Service!

    Es mag ja sein, daß Frau Pepper das Ding als „bespielbar“ bezeichnet hat. Letztlich entbindet das aber nicht die Eltern von der Verantwortung, genau zu prüfen, ob Ihr Kind sicher genug damit umgehen kann und auch nicht übertreibt. Das wäre wie auf jedem Spielplatz, wo auch immer etwas passieren kann.

    Ansonsten ist es natürlich so, daß aus Ihrer Sicht ohnehin jeder, der gegen Ihren Standpunkt ist, das nur deshalb sein kann, weil er nicht informiert ist. Denn Sie haben ja die Wahrheit gepachtet. Was soll ich armes, uninformiertes Würstchen denn dann noch sagen, außer: Danke!

  7. Zu Ihrem Nachtrag: Wie oft soll ich denn noch betonen, daß ich liebend gern dabei gewesen wäre, aber selbst eine Versammlung zu leiten hatte?!

  8. Der Stecki ist aber ein lustiges Kerlchen (oder Mädchen?) Nicht dabei gewesen, aber tapfer mitreden! Ich war im Marstall und schließe mich im Wesentlichen der Meinung von Blaumann-Gegner Dzubilla an, der sich in der Diskussionsrunde als einziger über den Sachverhalt um den Muschelmann informiert gezeigt hat. Und Stecki hat Brecht zwar nicht verstanden, aber interpretiert ihn richtig: Es genügt bereits, wenn einer für Scheiße klatscht, und schon ist sie Kunst.

    Übrigens sagte Dzubilla: Die Gegner von dem blonden Hünen wollen ihn ja gar nicht auf den Bauhof schaffen, sondern nur auf den Platz hinstellen lassen, dem auch der Künstler schon mal zugestimmt hat. Also keine Aufregung, Stecki!

    Zum „Spielgerät“: Jedes Spielgerät wird vom TÜV abgenommen. Das ist beim Muschelläufer bis heute nicht geschehen, weil sich die Stadt ihrer Verantwortung zwar bewusst ist, sie aber verdrängt. Denn die Stadt haftet für Schäden.

  9. Ich wußte nicht, daß nur die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen für die öffentliche Diskussion berechtigt. Ich gehe also mal davon aus, daß Rogalski und Dzubilla sich in der Vergangenheit und zukünftig nie zu Themen äußern, die auf Stadtvertreter- oder Ausschußsitzungen besprochen wurden, an denen sie nicht anwesend waren.

    Vielleicht sollte man überhaupt einen Diskursberechtigunsgführerschein abfordern (mit umfassenden Sachkundetest natürlich), damit nicht jeder Mensch in einer pluralistischen Demokratie seine uninformierte Meinung kundtut.

    Ich hatte auch nicht Frau Peppers Standpunkt eingenommen; persönlich halte ich den Muschelläufer für interaktive Kunst und nicht für ein Spielgerät – bleibe aber dennoch bei meiner Meinung, daß es sich hier um eine nachgeschobene Hilfsargumentation der Gegner handelt (vielleicht kommen die ja auch noch irgendwann und behaupten, daß der Kunststoff ausgast und das Ding daher weggesperrt gehört und was die Phantasie sonst noch alles an Ideen kommen läßt etc pp)

  10. Nur zur Klarstellung (um bewußte Fehlinterpretationen oder spätere Falschzitierungen zu verhindern (man muß hier sonst ja mit allem rechnen)): Den Satz bzgl. des Diskursberechtigungsschein bitte ich ironisch zu verstehen.

  11. Als Nachlieferung noch der zugegeben kleinkarierten Vollständigkeit halber eine feinsinnige Unterscheidung 🙂

    Bespielbar heißt, man kann auch (=nicht Hauptzweck) damit spielen; Spielgerät heißt: Das Spielen ist der Hauptzweck.

  12. Warum können Sie beide nicht verwinden, daß man auch einfach nur anderer Meinung sein kann als Sie? Verabsolutieren Sie doch nicht so Ihren Standpunkt und unterstellen Sie allen anderen mangelnde Information, mangelndes Verständnis und mangelnden Intellekt.

    Geisterfahrer sagen sich auch: Nur ich fahre richtig, warum fahren alle anderen falsch?! 🙂

  13. @ Stecki

    Ich habe meine Meinung geäußert, der Sie widersprochen haben. Und ich teile Ihre Meinung nicht. Was haben Sie eigentlich für ein Problem…? Wenn Sie sich allerdings als Geisterfahrer bezeichnen, dann stimme ich Ihnen voll zu. 🙂

  14. Ein Problem habe ich gar nicht. Im Gegenteil: Ich habe viel Spaß am Kommentieren. Und ich bin auch gar nicht so vermessen, ihnen keine eigene abweichende Meinung zubilligen oder Sie gar bekehren zu wollen 🙂

    Daß Sie den Geisterfahrerspieß umzudrehen versuchen würden, war mir klar. Sie verkennen dabei nur einen kleinen Unterschied: Ich behaupte von meinem Standpunkt nicht, als „einziger Diskutant die Volksinteressen“ vertreten zu haben oder (wie Sie in anderen früheren Diskussionen es ja getan haben) die Mehrheit hinter mir zu haben. Ich verallgemeinere meinen Standpunkt also nicht und suggeriere, daß eigentlich alle meinen Standpunkt haben oder zumindest dann hätten, wenn sie Volksinteresse verträten oder informiert seien oder klug genug usw usf. Aber ich erwarte natürlich nicht, daß Sie diesen Unterschied nun nach nochmaliger expliziter Aufklärung nachvollziehen können.

  15. @ Stecki

    Im Gegensatz zu Ihnen vertrete ich die Interessen von mindestens 1.600 Menschen, die mir Ihre Stimme schriftlich gegeben haben. Damit habe ich eine Verantwortung übernommen. (Politiker, die des Volkes Stimme bekommen haben, sollten das auch tun; aber vor der Verantwortung drücken sie sich immer wieder gern, indem sie Probleme einfach aussitzen wollen.) Den dicken Aktenordner habe ich der Bürgermeisterin persönlich in die Hand gegeben. Vermutlich sitzt sie drauf.

  16. @ stecki

    Wer gar nicht in Ahrensburg wohnt, der sollte sich bei den dortigen Bürgerinteressen hübsch zurückhalten! Sonst fordere ich als Ahrensburger auch, dass die Kühe in Delingsdorf ihre Fladen vorm Rathaus ablegen sollen. Was ja Kunst wäre!

  17. Für mich ist der Muschelläufer immer ein Indiz dafür, wie gut es Ahrensburg geht: Wenn Stadt und Bürger es sich leisten können, so viel Zeit und Energie in die Diskussion um den Blaumann zu investieren, kann es ja keine großen und drängenden Probleme geben.

    Bevor jemand fragt: Nein, ich war nicht bei der Diskussion. Ja, ich wohne in Ahrensburg. Und ja: Auch wer nicht in Ahrensburg wohnt, darf eine Meinung zu den hiesigen Bürgerinteressen haben. Hier wählen darf er/sie aber nicht.

    Mir jedenfalls wird der Muschelläufer mit jedem ablehnenden Kommentar immer sympathischer.

  18. Herzlichen Gruss aus Elmshorn,

    Die Sache schein mir einen Familienausflug nach Ahrensburg wert zu sein. Mir sind die unterschiedlichen Brillen, durch die der Muschellaeufer gesehen werden kann hier durchaus verstaendlich geworden und ich bin gespannt.

  19. Ich finde es absolut daneben wenn 2 Leute
    immer zickiger werden (Stecki/Dzubilla).
    Leute versucht doch einfach mal sachlich
    (Geisterfahrer etc.)zu bleiben. Es gibt
    in Ahrensburg wirklich größere Baustellen als diesen unsäglichen Blaumann.

    Gruß aus Ahrensburg

  20. Ich z.B.ärgere mich seit 10 Jahren über Raser in der Otto-Siege-Str. (Zone 30)
    und habe bisher vergeblich versucht die
    Polizei zu aktivieren. Entweder man nimmt
    diese Schilder weg oder man hält sich dran. Werde wohl gegen die Polizei und
    Verwaltungsführung Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen bis sich was tut. Und das immer wieder.

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