Datenschutz mit Google Analytics

Datenschutz ist eines der heissesten Themen in der Netzpolitik. Insbesondere Google steht für verschiedene Dienste in der Kritik. Vor allem der Dienst Analytics wurde kritisiert. Hauptkritikpunkt war das Mitspeichern der IP-Adresse, also der eindeutigen dem Internetanschluss zugewiesene Adresse, mit der sich jeder PC im Netz bewegt.

Google bietet jetzt eine Möglichkeit an, die den Webseitenbetreiber in die Lage versetzt das Tracking der Seite so weit zu anonymisieren, dass es die Anforderungen des Düsseldorfer Kreises an das Tracking erfüllt.

Google Analytics erfreut sich auch bei großen Seiten enormer Beliebtheit. Nicht nur, weil es kostenlos ist, sondern vor allem, weil es sehr intuitiv zu bedienen ist. Das schöne an der Änderung, die Google anbietet ist, dass sie von jedem Webseitenbetreiber einfach installiert werden kann (eine Zeile Code) und dass sie für den (interessierten) Nutzer transparent ist. Ergo: Ich kann sehen, ob die Seite, auf der ich mich gerade bewege die komplette IP speichern lässt, oder ob die letzten beiden Ziffern der IP gelöscht werden.

In den („neuen“, asynchronen) Analytics-Trackingcode muss einfach diese Zeile eingefügt werden:

_gaq.push(['_gat._anonymizeIp']);

Eine komplette Anleitung und etwas mehr Futter gibt es beispielsweise bei der Firma Trakken und ihrem Analytics-anonym-Dossier.

Natürlich gibt es auch für den Nutzer eine Möglichkeit das Tracking zu blocken (mit dem schon einige Wochen verfügbaren Analytics-Browser-Opt-Out). Doch finde ich die andere Variante schöner. Der Webseitenbetreiber kann weiterhin die Art und Weise nachvollziehen, wie sich nutzer auf der eigenen Seite verhalten und seine Seite daran anpassen (Die Daten des Trackings braucht er dafür, schließlich befindet er sich in der Regel nicht im direkten Kontakt mit seinem Nutzer), und der Nutzer weiß, dass seine IP-Adresse nicht mit seinem Surfverhalten auf der Seite bei Google landet (Was ohnehin nur geringfügig mehr Informationen wären, als Google eh schon von ihm hat).

Twitterpflicht für Politiker?

Benedikt Köhler schrieb von no taxation without microblogging, dass man Politiker zum Twittern verdonnern sollte, schließlich sei es ja auch in ihrem Interesse. Er schreibt:

Politiker werden wie Wissenschaftler oder öffentlich-rechtliche Moderatoren von uns, den Steuerzahlern bezahlt, die im Gegenzug dafür das Recht haben, zu erfahren, was ihre Mandatsträger für ihr Wohl leisten.

Damit hat er zweifelsohne Recht. Daraus abzuleiten, dass jeder Politiker twittern müsste ist allerdings weder wünschenswert, noch realisierbar, dass jeder Politiker twittert. Benedikt Köhler macht selbst eine Einschränkung, wenn er schreibt, dass es ja nicht Twitter sein müsste, aber ein Microblog sollte es sein.

Betrachten wir mal die Realität: Nur ein Bruchteil der Bürger Deutschlands twittert. Und diese wenigen, die auf Twitter aktiv sind gehören auch noch zu einem kleinen Ausschnitt der Gesellschaft (zu dem ich auch gehöre). Ergo: Ein Politiker der twittert erreicht nur eine kleine Gruppierung der Gesellschaft und – machen wir uns nichts vor – auch diese ist nicht besonders politisch interessiert oder motiviert (von einem kleinen Themenausschnitt abgesehen).
Ein Politiker muss seine Zeit einteilen und möglichst Breitenwirkung und Transparenz zu erreichen (Genau dies wird ja auch von Benedikt Köhler angefordert). Für diese Breitenwirkung kann Twitter nur einer von vielen Kanälen sein. Einer mit einem großen Nachteil (der gleichzeitig den Erfolg des Netzwerks ausmacht): Die Limitierung auf 140 Zeichen ist nicht förderlich für seriöse Diskussionsführung. Politische Prozesse sind komplex (das schreckt schon viele Menschen ab), Twitter ist massiv reduziert. Twitter kann allenfalls ein ergänzendes Tool sein.

Mit Twitter verbringen Politiker also Zeit, um mit wenigen Menschen zu sprechen, die wenig Interesse an ihnen haben (man beachte die Followerzahlen), um sie in einer Art und Weise über ihre Arbeit zu informieren, die nicht dafür gemacht ist. Facebook kommt da schon eher in Frage. Mehr Nutzer, leichter strukturierbare Diskussionen und nicht so ein geringes Limit der Nachrichten. Aber auch hier gilt: Ein Ausschnitt der Gesellschaft.

Politik soll ein Querschnitt der Gesellschaft sein. Von digital natives wird oft beklagt, dass online keine Rolle bei der Politik spielt und Politiker keine Ahnung von online haben. Nun betonen die meisten Diskutanten gleichzeitig, dass mehr Medienkompetenz bei den Nutzern wichtig und notwendig ist. Wenn aber Politiker nicht medienkompetent sind, warum sollten sie dann das Medium nutzen?

Für die Politik ist Twitter kein besonders interessantes Medium, abgesehen von dem Hype, den Twitter erfahren hat und dem Anstrich, den sich twitternde Politiker durch die Nutzung geben (jung, medienaffin, dynamisch, etc.) – und natürlich dem Treffen interessanter Menschen und vielen spannenden, unterhaltsamen Informationen.

Gesichtserkennung: Machen, was machbar ist?

Facebook hat eine automatische Gesichtserkennung in der Betaphase:


Nachdem Fotos hochgeladen werden, soll die derzeit meistbesuchte Internetseite des World Wide Web bereits definierte Personen automatisch herausfiltern und sie mit dem richtigen Namen versehen.

Google hat mit dem Photodienst Picasa eine ähnliche Technik für die eigenen Bilder zur Verfügung gestellt. Aus einem Stapel an Photos wirft Picasa einem alle Bilder mit der selben Person vor und man muss nur noch den Namen eingeben.

Die Technik zur Gesichtserkennung ist also da. Wer Google und die Veröffentlichungszyklen kennt, der darf mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es (für Google-Maßstäbe) kein Problem sein dürfte ein solches Feature für die Bildsuche zu launchen. Google kennt die meisten Bilder im Netz, hat umfangreiche Filtermöglichkeiten nicht nur auf Basis des Umgebungstextes, sondern auch auf Basis des Bildinhalts (man schaue sich nur die Power von Google Goggles an). Was Google davon abhält das auf Gesichter anzuwenden sind die (berechtigten) Bedenken zum Datenschutz.

Die Frage die mich seit einiger Zeit umtreibt: Wenn Google es heute schon könnte und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein anderes Unternehmen diesen Dienst anbieten kann (auf irgendwelchen Servern in wenig angreifbaren Ländern, aber weltweit zugänglich).

Datenschutz ist ein wichtiges Thema, aber es ist absehbar, dass die Macht des Möglichen den Datenschutz in der heutigen Form außer Kraft setzen wird. Wenn also die normative Kraft des Faktischen zuschlagen wird, warum dann nicht heute schon den Nutzen nutzen?

P.s.: Die Frage ist ernst gemeint.

[Nachtrag:] Man möge auch diese Artikel lesen, die den Gedanken weiter spinnen, etwas mehr sprachliche Power haben und nicht so indifferent sind, wie mein Geschwurbel:

WM Visualisierungen

Die WM nähert sich langsam dem Ende. Und natürlich wurde die WM als Großereignis auch online begleitet. Mit spannenden Visualisierungen (dafür hab ich irgendwie arbeitsbedingt ein ordentliches Faible entwickelt). Hier also die tollsten Visualisierungen, die mir während der laufenden WM über den Weg gelaufen sind:

Spielerherkunft – Estado (Brasilien) | Tolle Darstellung der Länder, in denen die einzelnen Nationalspieler in den Liegen spielen. Und umgekehrt: Welche Spieler der Liga spielen für welche Nationalmannschaft?Visualisierung der Spielerherkunft WM 2010

Spieler-Erwähnungen auf Facebook | Die NewYork Times (Die ohnehin immer tolle Visualisierungen machen) haben die Erwähnungen der Spielernamen auf Facebook analysiert und graphisch toll dargestellt und animiert. Man beachte das Übergewicht des Namens Green die ersten drei Tage. Auch wenn in den Kommentaren zu recht darauf hingewiesen wird, dass es natürlich Unsauberkeiten gibt in der Methodik gibt (Facebook-Sample, Vernachlässigung von Spitznamen und Falsch-Schreibweisen, Inklusion Erwähnungen anderer Menschen gleichen (Nach-)Namens).

Top-Spieler der WM 2010

Visualisierung der Top-Spieler der Fußball-WM 2010 anhand der Facebook-Erwähnungen (New York Times)

Darstellung der Spielergebnisse der WM 2010 Auf Marca.com gibt es die schönste Darstellung der Spielergebnisse und Spielkalender:

Spielplan und Ergebnisse der WM 2010

Spielplan und Ergebnisse der WM 2010

Vergleich Mann gegen Mann | Die einzelnen Spieler werden auf lainformacion.com verglichen. Schön gemacht. Auf lainformacion.com gibt es übrigens auch die Aufstellung der Mannschaften der Spieler, die zu hause gelassen wurden. España-Portugal WM 2010

Toll ist die auch die Visualisierung der Tweets während eines Spiels, die der Guardian realisiert hat (und die ich glaube ich am meisten verlinkt gesehen habe. Zumindest auf Twitter ;) ).
World Cup 2010 Twitter replay | guardian

Eine hübsche nie realisierte Grafik gibts auch hier. Ciaran Hughes stellt die relevanten Daten eines Spiels in einer Grafik zusammen

Die Stadien der WM 2010 haben durch Google ein Gesicht erhalten.

Und natürlich hat ein alter Brenner auch wieder sein Gesicht hochgereckt: Die Strategien der einzelnen Nationalmannschaften, die dieses Jahr mal überhaupt nicht mehr hinkommen…

Kaum war dieser Artikel fertig hab ich gesehen, dass er eigentlich nie das Licht der Welt zu erblicken bräuchte. Denn eine tolle Zusammenfassung der graphischen Darstellung der WM gibt es bereits von Inspiredm.com.

Ich freu mich trotzdem auf die letzten, noch kommenden Spiele.

[Nachtrag:] Glatt vergessen: Schönes Statistik-Material gibt es natürlich auch bei der Fifa.

Und natürlich auch die Übersicht über die bisherigen Sieger bei Robertivan.com.