Ich mag die consolidated.db auf dem iPhone

Visualisierung von Johans Bewegungen im Hamburger Umland

Visualisierung von Johans Bewegungen im Hamburger Umland auf Basis der iPhone Daten mit dem iPhone-Tracker


Gerade wird’s durchs Dorf getrieben: Pete Warden und Alasdair Allan vom o’Reilly-Verlag haben sich das iPhone näher angesehen und haben eine kleine Datenbank gefunden, in der (wie ich irgendwie schon im Hinterkopf hatte) Längen- und Breitengrad des aktuellen Handybesitzers gespeichert werden.
Pete Warden hat dafür eine kleine Software ins Netz gestellt, die die Daten fix visualisiert. Das ist schon süß. Aber leider noch weit von dem entfernt, was ich mir wünsche.

Die Zeit hatte für Malte Spitz (Grüne) als Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung die Daten (die man sich erstmal erklagen musste) in einer interaktiven Grafik aufbereitet. Die Visualisierung von Pete Warden kommt dem schon relativ nah. Was aber fehlt:

  • Genauigkeit. Die Daten der Vorratsdatenspeicherung scheinen irgendwie genauer zu sein. Beim Datensatz, den das iPhone mir zur Verfügung stellt sieht das noch sehr ungenau aus.
  • Umfang. Das iPhone speichert nur Latitude und Longitude + Timestamp. Was fehlt sind meine Aktivitäten. Habe ich getwittert? Welche App benutzt? Gesurft? Telefoniert?

Man merkt dem iPhoneTracker an, dass er nur für das Thema consolidated.db sensibilisieren soll, aber vom Praxisnutzen noch relativ weit entfernt ist. Für mich aber noch mal ein spannender Punkt sich in das Thema rein zu wühlen. Alle versuche mich selbst (mit Google Latitude, Foursquare, [setze beliebiger Location based Service ein]) zu tracken sind bisher leider an meiner Schludrigkeit gescheitert.
Ich finde diese Art des geographischen Tagebuchs phantastisch. Insbesondere, wenn man es eben noch mit weiteren Daten wie SMS-Konversationen, Twitter-Stream, Facebook-Photos, etc. anreichert und die Daten dann auch zeitlich erfahrbar macht, und nicht nur in der Masse.

Ich werde mir auf jeden Fall die consolidated.db noch mal in Ruhe ansehen. Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Variante die Daten anzureichern und schöner erfahrbar zu machen.

ps: Leider kann ich derzeit die Daten nur als Screenshot zur Verfügung stellen, da ich noch im Detail prüfen muss, ob ich eventuell Rückschlüsse auf Kunden einer Firma für strategisches Online Marketing ermögliche, die man nicht zu offensichtlich machen möchte.

[Update]: Leider musste ich gerade folgendes bei moeffju lesen:


Nach Analyse der Daten hat sich aber gezeigt, dass offenbar nicht alle Locations jederzeit gespeichert werden, sondern dass die Datenbank mehr als Zwischenspeicher dient. Wenn Location-Dienste benutzt werden, holt iOS die Daten zuerst von Apples Servern, speichert sie dann aber auch zwischen. Beim nächsten Mal kann man dann auch ohne Datenverbindung eine Ortung bekommen (ausprobieren: Flugzeugmodus an). iOS speichert vorausschauenderweise auch gleich die Ortungsdaten für einen gewissen Umkreis um den aktuellen Ort. Ruft man Locationdaten ab und hat Netzverbindung, werden die lokalen Daten nochmal aktualisiert.

Hab es noch nicht getestet. Aber ich will doch bitte wenn schon den kompletten Datensatz, der auch an Apple übertragen wird.

re:move — oder der Versuch einer re:publica-Perspektive

Ich war auf der re:publica11.
Ich habe mich gefreut wie ein Kind, als ich das Ticket gekauft habe.
Endlich sollte es mal klappen, nachdem ich das Event in den letzten Jahren immer nur am heimischen Bildschirm verfolgen konnte und mich ärgern musste nicht dagewesen sein zu können.

Was ist die re:publica

Die re:publica ist sowas, wie das Klassentreffen der selbsternannten Internet-Elite. Wer da ist bloggt, twittert und facebookt, hat dabei mindestens 2.000 Follower, oder zumindest eine gute Ausrede, warum er die nicht hat. ;)
Inhalt des Treffens (so hatte ich es zumindest verstanden) war neben dem allgemeinen „Sag mal kenn ich Dich nicht aus meiner Twitter-Timeline“ vor allem eine Bestandsaufnahme des Web2.0 und — noch wichtiger — eine Perspektiventwicklung für das nächste Jahr(-zehnt).

Was ich erwartet habe

Die erste Enttäuschung kam mit dem Durchgehen des Programms. Im Gegensatz zum letzten Jahr waren weniger bekannte Netzidole auf dem Schedule. Kein Jeff Jarvis, kein Peter Kruse, kein Udo Vetter, keine Kathrin Passig. Die Session-Titel waren im Wesentlichen nicht besonders spannend (für mich?!). Viele der Beschreibungen ließen schon eine Werbeveranstaltung vermuten.
Dennoch habe ich mich gefreut hin zu fahren. Ich wollte den Spirit mitnehmen, der in den letzten Jahren in meiner Timeline kolportiert wurde. Vielleicht auch den einen oder anderen wieder sehen und ein paar neue Leute kennenlernen, aber das steht für mich nicht im Vordergrund. Wenn ich eine Konferenz besuche, dann möchte ich inspiriert werden und etwas neues Lernen, zumindest aber zu neuen, eigenen Ideen angeregt werden.
Ich dachte, dass das sicher trotzdem kommen wird.

Warum kam es doch anders, als ich dachte?

Ganz ehrlich: Die re:publica11 war das Geld nicht wert (Okay, lag vielleicht auch an meiner Session-”Wahl”… Dazu noch mal später). Die Eröffnung war, wie Eröffnungen meist sind: langweilig. Der erste Speaker feuerte ein gelangweiltes Werbefeuerwerk ab. Ich habe kaum etwas mitnehmen können.
Danach war ich im Open Data Slot. Ein schönes WrapUp, mehr nicht. Hier war nichts neues dabei. Ja, OpenData ist wichtig. Ein paar einschlägige Beispiele, viel mehr kam dabei aber auch noch nicht rum.
Also noch Mal hin den Hauptsaal. Hier wieder Werbung. Der Titel war gut „Wie Schwärme Marken, Märkte und Machtgefüge verändern“. Das war es aber auch schon. Die gebrachten Beispiele waren alt, ich vermute mal, dass 99% der Anwesenden sie kannten. Was ich mitgenommen habe: Lichtblick ist ein ganz toller Energieversorger. Die haben sogar ein Blog. Zum Thema Schwärme und Märkte war, soweit ich das gehört habe nichts dabei.
Also wieder zurück zu Open Data und Journalismus. Hier gab es ein paar konkrete Einblicke in das Alltagsleben von datengetriebenem Journalismus. Wo finde ich Daten? Wo sind die Probleme? Was kann man damit machen? Das war nett, Begeisterung wollte sich bei mir aber nicht so richtig entwickeln.
Ich könnte hier weiter machen, die folgenden Tage waren nicht besser, aber ich lass das mal.
Stattdessen:

Was waren denn tolle Sessions?

Steffen Hoellein: Information, Gestalt und Prognosen zum Leben von morgen

In der Session berichtete Steffen Hoellein aus seinem Leben als Künstler. Mit Energie. Was hat ihn geprägt? Warum? Wie motiviert er sich? Und wie schafft er es immer wieder von neuem Lernen zu wollen. Wow. Das war extrem unterhaltsam. Das hatte Mehrwert (vielleicht werde ich doch mal in einem Bild sehen können, was ich daran toll finde…). Das war inspirierend. Für mich die tollste Session der re:publica.

Sandro Gaycken: Cyberwar und seine Folgen für die Informationsgesellschaft


Der Vortrag wird Cyberwar als neue Variante des Krieges erläutern, seine spezifischen Strukturen und Probleme schildern sowie seine Entwicklung in den nächsten Jahren vorzeichnen. Davon ausgehend werden einige Folgen für die Ideologie(n) wie die Realität der Informationsgesellschaft erwogen. Der Konflikt zwischen der Freiheit des Netzes und der politischen Manipulation von Wissen und Meinen durch Information Operations und Perception Management soll besonders hervorgehoben werden.


Ich bin durch Zufall in die Session geraten. Und das war gut so. Toller Vortrag, tolle Folien, neues Wissen. Wo sind Angriffsvektoren in der digitalen Kriegsführung. Das Einzige, was noch etwas breiter hätte ausgerollt werden können wäre das Thema assymetrische Bedrohung gewesen. Auf der anderen Seite: Der Vortrag war so schon mit einer Menge KnowHow gespickt und man muss den Zuhörer ja nicht überfordern mit sehr unterschiedlichen Themen. Ich fühle mich auf jeden Fall sauber informiert über den aktuellen Status digitaler Kriegsführung. Danke.

Blogger_innen im Gespräch

Bei der Session hatte mich das Gender Gap schon so demotiviert, dass ich eigentlich nicht hingehen wollte. Bis Julia Probst [Twitter] mich darauf hinwies, dass sie zu sehen sein wird. Über die anderen drei Panelteilnehmer will ich kein Wort verlieren, aber Julia war klasse. Wer sie nicht kennt: Julia kann Lippenlesen und bietet einen Lippenlesenservice für Fußballspiele und Interpretation von Körpersprache bei politischen Reden. Ein Energiebündel auf der Bühne, die mit einer Freude erzählt. Klasse. Schade, dass es nicht geklappt hat sich Abends noch mal zusammen zu setzen.

Spaß-Sessions

Schön waren auch die Fun-Sessions in Tagesrandlage: Sascha Lobo hat rumgetrollt:

Sascha Lobo – Trollforschung from Christian Cordes on Vimeo.

Eine Twitterlesung der Twitkrit-Macher. Nicht jeder Witz hat gesessen, aber wie auch bei Sascha Lobo führt die pure Anzahl der Sprüche dazu, dass man gut unterhalten wird.
Und eine Bootsfahrt gab es auch noch. Die Spree rauf und runter. Im Sonnenschein. Ein schöner Ausklang.

re:think: Was besser werden muss, damit ich auch 2012 komme

Ich bin ein anspruchsvoller Konferenzgast. Schließlich zahle ich dafür. Was also kann / muss konkret besser werden?

re:organize: Raumressourcen geplant alloziieren

Die Organisation war phasenweise gruselig. Raumnot, fehlendes Internet, fehlerhafte Kommunikation.
Zur Raumnot haben sich genügend andere ausgelassen. Insgesamt waren es zu viele Gäste für zu wenig Platz. Überall war Gedrängel. Security-Kräfte waren wirklich notwendig. Auf einer gesitteten Veranstaltung finde ich das extrem hart. Es war ja kein Fußball-Derby, keine Anti-irgendwas Demo und auch kein Boyband-Konzert.
Ich konnte etwa 1/3 der geplanten Sessions nicht besuchen, weil die Räume überfüllt waren.
Abhilfe: Anmeldung für die einzelnen Sessions. Den Verbindlichkeitsgrad der Anmeldung kann man diskutieren, aber es hilft, dass nicht die Sessions mit dem größten Interesse in den kleinsten Räumen stattfinden
Sebastian meinte dazu:


Durch die vielen Besucher in diesem Jahr kam es duisburgartigen Szenen und sehr vielen Teilnehmern, die nicht die Session ihrer Wahl sehen konnten. Das ist wirklich kein tragbarer Zustand, hier ist ganz dringend Handlungsbedarf. Ich möchte übrigens nicht wissen, wer die Räumlichkeiten für das Event freigegeben hat. In meinen Augen war das auch zunehmend ein Sicherheitsproblem, was nur durch den Zufall, Ordner und halbwegs gesittete Teilnehmer nicht im Ernstfall endete.

re:think: Themen und Thementiefe

Ich find es toll, dass ein breites Spektrum an Themen abgedeckt werden soll. Aber vielleicht ist es sinnvoll thematisch nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern tief ein zu springen. Nicht alle gehen zur re:publica, um Klönschnack zu halten. Vorträge ohne Tiefgang sind Zeitverschwendung und dafür ist mir meine Zeit zu schade.
Wo wir gerade bei Zeit sind. 90% der Vorträge waren Rückschau. 10% Unterhaltung. 0% Ausblick. Was wird in Zukunft passieren? Wo ist das Internet in 1, 5, 10, 15 Jahren? Prognosen sind schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Na und? Ohne Vision keine Inspiration, keine Veränderung.
Bei den Themengebieten muss wahrscheinlich einmal gründlich nachgedacht (und abgestimmt?!) werden, welche Themen wie viel Raum erhalten sollen. Nur mal als Anregung.

Malte schrieb dazu:

Für meinen Geschmack jedenfalls waren viele Inhalte (ich kann natürlich nur von denen sprechen, die ich aufgrund der widrigen Umstände mitkriegen konnte — und erspare mir die Auflistung, weil ich auch niemanden dissen möchte) zu rückwärtsgewandt, Internet-Archäologie quasi, sprich: Zu viel was war, zu wenig was wird. Oder sie kamen jedenfalls um eine Grundeinführung nicht hinaus. Wirklich Neues, Denkanstößiges oder Überdentaghinausdauerndes habe ich leider kaum mitgenommen.

Woanders las ich:

Manche Vorträge waren schlicht so nichts sagend, unstrukturiert und uninspiriert, dass es geradezu frech war, diese im Rahmen eines – naja – Fachkongresses überhaupt anzubieten.

Was bleibt?

Eine Konferenz mit viel Gedrängel, wenig Inspiration, kaum neuem Wissen und ein paar netten Kontakten. 3 tolle Vorträge an 3 Tagen. Das ist zu wenig. Was bleibt ist Frust.

re:move. Hinsetzen. Augen reiben, nachdenken, neu planen. Gas geben. Mehrwert schaffen. 2012.

Garstige Geburtstagsgeschichte

Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein großer Freund kalenderinduzierter Zwangsbespaßung bin. Weihnachten, Ostern, 1.Mai, Towel- und SuiteUpday oder der Schniblo können mir im Wesentlichen gestohlen bleiben.
Das gilt auch für Geburtstage.
Je mehr Social Network desto schlimmer.

Aber: Ich habe Geburtstag:
Eigentlich am 02.November. So ist das seit 1983.
Dieses Jahr im März war es für mich Zeit etwas daran zu ändern.

Das Datum meines Geburtstags bei Xing und Facebook wurde geändert. Auf den 02.April 1983.

Erkenntnisinteresse

Wer gratuliert ein halbes Jahr nach meinem eigentlichen Geburtstag? Und was unterscheidet einen Fake-Geburtstag von einem richtigen? Gut, das Vorgehen war etwas hinterhältig meinen Facebook-Freunden gegenüber, aber was tut man nicht alles für einen pseudowissenschaftlichen empirischen Versuch.
Das Ergebnis des Versuchs hat mich ehrlich gesagt etwas ratlos hinterlassen:

Zahlenmäßiger Vergleich

Im November erhielt ich am 02.11.1983 73 Kommentare auf meiner Pinnwand. Heute Waren es (stand 20:20Uhr) 56.
Dabei muss man ein paar Nachrichten abziehen, die ich wieder gelöscht habe (3), da sie zu deutlich darauf hinwiesen, dass ich gar keinen Geburtstag habe.
5 Weitere Nachrichten von Freunden, die deutlich machten, dass sie es durchschaut haben habe ich stehen lassen. War nicht zu offensichtlich. Ich registriere also 48 Glückwünsche per Facebook.
Auf Xing war sowohl im November (10 Nachrichten), als auch heute (7 Nachrichten) nicht viel los.
Deutliche Unterschiede gab es am Telefon. Ich habe lediglich einen Anruf erhalten, im November waren es 20. SMS habe ich heute keine bekommen (November: 37). Auch persönliche Glückwünsche gab es nur einen. Allerdings habe ich heute auch nicht so viele Leute getroffen…
Ach ja, die persönlichen Nachrichten auf Facebook habe ich für November nicht ausgewertet. Allerdings sind sie gefühlt gestiegen (auf 25).

Spannende Nachrichten

Wirklich spannend war, wer mir alles gratuliert hat:

  • 1 Person, die auch am 02.11. Geburtstag hat (wir kennen uns schon 8 Jahre)
  • Eine Menge Arbeitskollegen, die auch schon im November bei TRG waren
  • 26 Facebook-Freunde, die mir schon im November gratuliert hatte haben erneut gratuliert
  • 5 Gratulanten waren mit auf dem OBMH an meinem Geburtstag (Ich hatte ein Kaltgetränk ausgegeben)

Das nur 26 von 48 Pinnwand-Gratulanten im November schon gratuliert hatten erklärt sich natürlich zum Teil durch den Zuwachs im Netzwerk. Der Facebook Freundeskreis dürfte seit November um etwa 70 Personen auf aktuell 457 Personen angewachsen sein.
Der geringere Gratulationskoeffizient™ dürfte auch auf die Unsicherheit einiger Personen zurückzuführen sein und darauf, dass die Meisten mich doch durchschaut haben.

Es war ein spannendes Experiment.

Ich bin erstaunt, dass so viele auf einen einfachen Wechsel des Geburtsdatums reinfallen.
Bei Vielen ist es gut erklärbar. Sie gehören nur zum erweiterten Netzwerk. Man kennt sich noch nicht lange, man sieht sich selten, oder hat sich lange nicht mehr gesehen.
Wirklich erschreckend fand ich aber, wie viele offensichtlich nicht mehr nachdenken, wenn sie die Geburtstagsbenachrichtigung auf Facebook lesen.
Wobei:
Ich wüsste gerne wer von Euch wider besseren Wissens mitgespielt hat. ;) Eine Entwicklung, die ich am Anfang gar nicht auf der Pfanne hatte.

Wie dem auch sei:

Ich danke!

Für all die herzlichen Gratulationen
Für all die Trolle, die meine Erhebung kaputt machen wollten
Für die vielen einfallsreichen Glückwünsche, die mich irgendwie in eine komische Ecke schieben.

Beispielhaft seien genannt:

if ($JH==bday) echo ‘alles gute!’;

von Carolin Mallmann (Twitter)

und wie sollte es anders sein: Der tolle Berni Hochrainer (Twitter) mit dem Versuch einer RegEx:


^(HappyBirthday|AllesGutezumGeburtstag)$
(Und wenn du nicht wirklich Geburtstag haben solltest, gilt dieser String ab jetzt für [0-365] Tage …)

Danke für alle Teilnehmer dieser höchstwissenschaftlichen Erhebung!
Nehmt kalenderinduzierte Zwangsbespassung nicht so ernst. Und wenn doch, dann geht sicher, dass man nicht versucht Euch einen kalendarischen Bären aufzubinden. ;)

p.s: Mein Geburtstag wird natürlich jetzt wieder korrekt gestellt und wird auch am 02.11.1983 bleiben. Auch wenn ich mit dem Gedanken gespielt habe das Datum per Skript jeden Tag verändern zu lassen, um jeden Tag Geburtstag zu haben…

p.ps: Malte wollte gerne einen Link auf seine Geburtstagsauswertung. Zu recht. Schließlich bin ich nicht der einzige, der sich bei sowas pseudostatistische Gedanken macht.

ULD empfiehlt sinnloses Tracking

Das Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) empfiehlt Piwik als Tracking-Tool einzusetzen.

Nachdem 2008 festgestellt worden sei, dass Google Analytics nicht datenschutzkonform sei, wolle man nun zeigen, was gehe. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass man die Verwendung von Piwik empfehlen könne.

Die vom ULD abgegebene positive Beurteilung des Produktes Piwik zum Zweck der Nutzungsanalyse kommt nicht einer Zertifizierung nach den vom ULD angebotenen Verfahren zur Erteilung des Gütesiegels Schleswig-Holstein oder des European Privacy Seals gleich. Bisher gibt es keine derart zertifizierten Analysewerkzeuge und auch keine entsprechenden Verfahren. Das ULD würde es aber sehr begrüßen, wenn Anbieter von Analysewerkzeugen ihre Produkte einer umfassenden Datenschutzzertifizierung unterwerfen würden. Auf diese Weise würde der Markt für im Internet eingesetzte datenschutzkonforme Produkte weiter gestärkt.

Hauptgrund für das ULD Piwik zu empfehlen ist, dass man das Tool auf dem eigenen Server installieren kann und nicht auf die Übertragung der Nutzerdaten auf einen fremden Server angewiesen ist (Hauptkritik an Analytics ist ja, dass das Tracking-Pixel von einem Server in Amerika geladen wird und die Daten auf amerikanischen Servern gespeichert werden).

Man hat Hinweise veröffentlicht, wie eine Piwik-Installation vorzunehmen sei. (PDF)

Während der Absatz zur IP-Anonymisierung bis auf den C-Block noch halbwegs nachvollziehbar ist, wird es im Anschluss ein wenig krude.

  • Referrer sollten darauf geprüft werden, ob man sie überhaupt braucht. Hallo? Wie soll ich bitte sinnvolle Web-Analyse ohne Referrer-Informationen machen?
  • Löschung von Daten:

    Das ULD empfiehlt, durch unmittelbare Aufforderung durch Nutzerinnen und Nutzer
    die erforderliche Löschung und eine regelmäßige anlasslose Löschung direkt in der
    Datenbank durch auf den jeweiligen Anwendungsfall optimierte SQL-Anweisungen
    umzusetzen

    Direkt davor wird allerdings geschrieben, dass einzelne Datensätze nicht gelöscht werden können, sondern nur die einzelne Datenbanktabellen komplett geleert werden können. Hallo? Wie soll ich bitte sinnvolle Web-Analyse ohne History-Daten machen?

  • Cookie-Laufzeiten:

    Das ULD empfiehlt, die Lebensdauer der Tracking-Cookies so kurz wie möglich zu
    konfigurieren und insbesondere eine Lebensdauer von einer Woche nicht zu
    überschreiten.

    Maximal eine Woche? Ich kriege damit bei den meisten Seiten keine Informationen über meine wirkliche Anzahl an UniqueUsern (=Reichweite). Bei vielen Geschäftsmodellen ist der Conversion-Prozess deutlich länger als eine Woche (Versicherungen, Autos, etc.). Hallo? Wie soll ich bitte sinnvolle Web-Analyse ohne Reichweitenmessung oder Conversion-Beobachtung durchführen?

Die Anforderungen des ULD führen dazu, dass ich keine sinnvollen Informationen über meine Nutzer erhalten kann, indem ich Piwik so weit beschneiden, dass man damit überhaupt nichts mehr anfangen kann.

Dass Piwik kein echtes Tracking Tool hat Patrick Ludolph schon vor einiger Zeit dargelegt.

Das System ist ohnehin so limitiert, dass jedem Analysten die Haare zu Berge stehen muss. Letzten Endes ist ein schlechtes Tracking-System immer zum Schaden des Nutzers. Ein gutes Tracking zeigt Schwachstellen der Seite auf. Der Betreiber lernt, was er tun muss, um seinen Nutzern immer besseren Service bieten zu müssen und bei konsequenter Anwendung führt es auch zu besseren Produkten. Wenn ich merke, dass meine Nutzer immer an einer bestimmten Stelle im Kaufprozess aussteigen, dann analysiere ich das. Wenn das Problem der Preis ist, dann muss ich über den Nachdenken. Wenn es daran liegt, dass ich dem Nutzer zu viele Daten im Kaufprozess abverlange, dann werde ich überlegen, ob ich wirklich alle abfragen muss…

Aber wer die Auswirkungen eines fehlenden brauchbaren Trackings im Beispiel sehen will, der braucht sich nur die Usability von www.datenschutzzentrum.de anzusehen…

SEO-Campixx 2011: Recap

Wie aus dem letzten Post (RegS?Ex) schon ersichtlich war ich am Wochenende auf der SEO-Campixx 2011. Die Campixx ist die wohl spannendste deutsche Veranstaltung zum Thema Suchmaschinenoptimierung.

Letztes Jahr fand ich die Athmosphäre schon extrem angenehm (alles sehr locker) und die Vorträge inhaltlich ziemlich spannend.

Hier also der kurze Bericht von diesem Jahr (Die Spaß-Geschichten lass ich mal weg)

Sessions am Samstag

Clickfraud 101

Den Bericht hierzu hab ich schon auf seo-news.de geschrieben. Wirklich sehr spannender Vortrag von Fabian Brüssel. Die Folien kann man bekommen gegen eine Spende für das Rote Kreuz in Japan. Eine sehr sinnvolle Aktion: Campixx 2011 – Clickfraud 101 Blackhat ist für Scriptkiddies

RegS?ex

In der zweiten Session war ich dann selbst dran. Link zum Bericht siehe oben.

Klare Sicht im Website Urwald — Barrierefreies Webdesign vs. SEO Nutzen

Eine tolle Session meiner TRG-Kolleginnen Susanne Warlich (Twitter) und Friederike Hartwig (Twitter). Die Slides sind noch nicht online, dafür aber ein Vorabinterview zum Thema Accessibility. Die Slides reiche ich nach.
Die Session war nur von wenigen Leuten besucht, dafür aber sehr informativ und erfüllte toll den Ansatz der Campixx: Vortrag mit Einführung + intensive Disksussion der Teilnehmer. Accessibility ist meist nur noch ein kleines Problem, wenn man standardkonform Webseiten baut. Wenn nicht, dann ist der SEO-Nutzen entsprechend größer. Trotzdem sind viele Dinge enorm wichtig für eine tolle Seite. Nicht nur für etwa 6,5 Millionen deutsche Internetnutzer mit Einschränkungen, sondern auch was Nutzbarkeit einer Webseite diskriminierungsfrei vom Endgerät angeht.
Für mich neu war der Kontrastschalter, um die Farben zu invertieren. Tolle Idee. Über die Sinnhaftigkeit von Buchstaben größer / kleiner Schalter kann man wirklich diskutieren. Wozu gibt es schließlich (CMD|STRG)+. Auf einem mobilen Gerät / TV kann das Allerdings schon wieder sinnvoll sein.
Ich warte dann jetzt gespannt auf den long-description Test von Ingo Henze, den er sicherlich demnächst auf dem Schnurpsel-Blog veröffentlichen wird. ;)

Kleine Stilkunde für SEO Texter

Eric Kubitz und Elisabeth Matejka haben einen ebenfalls tollen Vortrag gehalten. Thema: Wir reden über SEO und wie man SEO-optimierte Texte schreibt, das wissen wir ohnehin. Aber wie schreib ich bloß, damit andere mich lesen.

Der Vortrag hat noch mal schön Wolf Schneider zusammengefasst (ja genau: „Deutsch für junge Profis“). Dazu gab es noch eine Menge Tipps zum Thema Descriptions und Überschriften. Überschriften schreibt man wie Einleitungen wissenschaftlicher Arbeiten immer am Ende des Textes. Zu den Descriptions konnte ich den Hinweis anbringen, dass sich die super mit den Webmaster-Tools testen lassen, da ich da einen guten Anhaltspunkt für die CTR habe. Eine Datenquelle, die die Vortragenden so noch nicht betrachtet hatten.

Wer wird Seonär

Tja, was soll man sagen: Die unterhaltsamste Session auf der Campixx. Jede Menge Kandidaten tolle Gewinne, klasse Spender, gute Stimmung. Eine Super Leistung der Moderatoren Jochen und Günther Jauch.

Sessions am Sonntag

Slot 1 für mich ausgefallen

Wie ein paar andere auch konnte ich mich nach dem Frühstück noch nicht zu einer Session aufraffen und habe lieber auf der Sonnenterasse gefachsimpelt. Dank an die Diskutanten. Spannend.

Web-Performance Optimization

Mariusz (Twitter) hat einen Vortrag gehalten, dass ich extrem spannend finde. Die Seite immer weiter zu beschleunigen ist sinnvoll. Nicht nur für SEO (Ein Faktor von vielen, blablabla), sondern vor allem für User Experience und eigene Kosten (zumindest bei großen Seiten).

Mariusz war leider etwas aufgeregt (Ich hoffe ich war es nicht, der ihn irritiert hat, war ein bisschen zu spät in den Raum gelatscht). Die Inhalte waren ordentlich, eine schöne Zusammenfassung. Ein paar Statistiken und Tools kannte ich noch nicht. Wichtig ist: Wenn ich die Seite beschleunigen will: Immer mit den großen Brocken anfangen. Zur Geschwindigkeitsmessung empfehle ich übrigens noch zusätzlich Loads.in weil es einem nicht nur ein Wasserfalldiagramm baut, sondern auch ein kleines Video, wie die Seite geparst wird. Ist schön, wenn man dem Kunden das Thema verkaufen will und blaze.io, um die mobile Performance zu messen. Auch hier kann man schön sehen, welche Brocken es denn noch gibt.
Toll fand ich, dass Mariusz sich nicht nur auf HTTP, CSS und JS gestürzt hat, sondern auch den DOM mal ein bisschen unter die Lupe genommen hat. Ein Thema, dass viel zu viel vergessen wird und wirklich hässlich wird, wenn man irgendwelche iFrames einbaut und doofes verschachteltes HTML baut.
An ein paar Stellen hatte ich allerdings das Gefühl, dass man auch zu weit gehen kann. Aus Performance gründen bei WordPress die Kommentare nicht mit zu laden bringt vielleicht etwas mehr Power (bei Worpress, dass nun wirklich kein Performanceoptimiertes CMS ist, per default zumindest), killt aber wesentliche Teile des Contents, denn Blogs brauchen nun mal Kommentare, dafür sind sie da und auch für Google sinnvoll. Wie viele Nutzer würden wohl die Kommentare nachladen, um an die tollen ergänzenden Infos zu kommen, die sich da oft verstecken?

Forschungsprojekt SEO-Kennzahlen

Hierzu hat Sebastian Carion (Twitter) auf seo-news.de schon ein paar leicht kritische Anmerkungen zu SEO-Kennzahlen geschrieben. Das ganze war auch in meinen Augen eher ein etwas zielloser und daher zerfaserter Diskussionsprozess. Zwar spannend, wer sich so alles in welche Richtung beteiligt hat, aber am Ende war man auch nicht viel schlauer, außer, dass das Ganze nicht ganz einfach ist.

Diving into the HTML5 Jungle

Mit dem Kollegen Cario war ich danach dann auch gleich mit meiner zweiten Session dran: HTML5

Mehr zu der HTML5-Session hat Sebastian geschrieben.

Letzte Session

Auch die ist wieder für mich ausgefallen. Kein Thema konnte mich so richtig vom Hocker reißen. Außerdem sollte ich noch zu Tobi Fox (Twitter) zum Video-Interview und danach wurde ich in spannenden Diskussionen zum Thema User Generated Content, Social Media und SEO gefangen.

Fazit SEO-Campixx 2011

Insgesamt eine tolle Veranstaltung. Mit den Sessions hat man Glück oder Pech (Ich hatte vor allem am Samstag Glück). Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Campixx aber eher durch die gestiegene Anzahl der Teilnehmer nicht besser geworden ist (auch nicht schlechter).
Ein bisschen genervt war ich persönlich von der Masse an Linkaufbau-Sessions. Liegt aber eben auch daran, dass ich kein großes Interesse in die Richtung habe. Eine Session dazu ist spannend, zwei sind noch okay, aber mehr muss ich davon wirklich nicht haben. ;) Zum Glück gab es ja genug parallele Sessions, um sich Alternativen zu suchen.

Wünsche für 2012

Ein riesiges Dankeschön an Marco Janck (Twitter) und die Seonauten-Crew. Das war eine tolle Veranstaltung. Eine super Orga (auch wenn die T-Shirts erst spät kamen).
Für 2012 würde ich mir wünschen:

  • Ein Programm im Querformat
  • Eine Abstimmung vorab: Welche Sessions werden angeboten und welche stößt auf wie viel Interesse. Das erleichtert nicht nur die Raumplanung, sondern zwingt auch die Teilnehmer sich näher an ihrer Vortragsbeschreibung zu halten. Ein paar mal hatte ich das Gefühl, dass nicht alle Vorträge dem angekündigten Inhalt entsprachen. Außerdem wäre klasse einzelne Schwerpunkte zu bilden. Zum Inhouse-Thema hat sich etwas in die Richtung ja entwickelt, aber es gibt ja noch so viel mehr, Performance, Links, interne Links, Universal Search,… Hierzu Themencluster fänd ich spannend.