Die Powerpoint–Geißel — ein dump&run Rant

Eigentlich wollte ich nur einen Artikel auf Facebook sharen. Doch mein Kommentar dazu wurde immer länger und länger. Um ihn besser strukturieren zu können, steht er jetzt hier. Der Artikel um den es ging war übrigens der hier: „Der Powerpoint-Irrsinn von Bettina Weiguny

Der Artikel an sich enthält nichts Neues, aber fasst Bekanntes zusammen.
Ichfür meinen Teil bin glücklich, dass ich — seit Gründung der Wingmen — kaum noch Powerpoint einsetze(n muss).

Wann ich Powerpoint einsetze

Natürlich gibt es Situationen, in denen Powerpoint (oder jedes andere slidebasierte System) weapon of choice ist. Aber die sind extrem gering.

Je weniger es um Diskussion und Interaktion geht, desto eher. Praktisch also ab ca. 50 Leuten, oder wenn es nur darum geht bestimmte Dinge lediglich zusammen zu fassen.

Ansonsten wird ALLES lebendiger, wenn man es live zeigt.

Und natürlich kann man tolle Folienvorträge machen und das ganze ins lächerliche ziehen — wie es zum Beispiel der Mediadonis macht, der einfach seinen visualisierten Spickzettel durchpaukt.

Folienmasse ist kein Qualitätskriterium

Aber dieser Schwanzvergleich mit „Ich hab 300 Folien, legen wir los“ geht mir tierisch auf den Senkel.

Als ob Masse ein Qualitätskriterium war.

Viele Folien (auch wenn sie gut gemacht sind), sind kein Merkmal davon, dass man viele Schlaue Dinge zu sagen hat, sondern sich entweder nicht kurz fassen kann, oder die falsche Abstraktionsebene für den Vortrag gewählt hat.

„Wer was zu sagen hat, hat keine Eile./ Er läßt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.“, Kästner

Powerpoint ist Faulheit

Und ja: Es IST praktisch die Präse einfach rumschicken zu können, um sich nicht die Mühe machen zu müssen die wesentlichen Inhalte für die Zuhörer noch mal aufzubereiten.
Aber allein das ist schon ein Beleg dafür, dass in unserer Vortragskultur etwas falsch läuft. Als Handout zerlegt Powerpoint den Gesamtoutput in angenehme überfliegbare Informationshappen. Mit einer Zusammenfassung des Wesentlichen hat das aber nur begrenzt zu tun.

Powerpoint führt dazu, dass ich mehr Zeit darauf verwende, WIE ich etwas zeigen möchte und weniger Zeit darauf WAS ich sagen möchte. Und letzteres ist meist dann doch wesentlicher.

Powerpoint macht keine guten Vorträge

Und ja: Es gibt tolle Redner, die trotz Powerpoint tolle Vorträge/Referate halten können. Ich kenne aber wenige mittelmäßige Redner (mich eingeschlossen), die durch Powerpoint besser werden. Das Gegenteil ist der Fall.

Und natürlich: Auch ich benutze Powerpoint noch häufig. Meist aber nur für einzelne Aspekte eines Meetings.

Letzter Punkt: Beim nächsten Workshop, in dem der Moderator mit Powerpoint ankommt bin ich raus. Denn Powerpoint ist das Gegenteil von gemeinsam etwas erarbeiten.

[Update 13:29]

Was kann man statt Powerpoint–Präsentation tun?

Weil via Facebook die Frage gestellt wurde, was ich alternativ empfehle/mache:
Es hängt ein bisschen von den Zielen ab und von dem Vorwissen der Beteiligten.
Generell:

  • Ziele des Vortrags/Workshops und Gliederung nach Möglichkeit sichtbar machen und regelmäßig Bezug nehmen. Bei Flipchart mag ich das Streichen der erledigten Punkte.
  • Gute Vorbereitung ist essentiell. Je weniger Vorbereitung, desto besser muss ich vorbereitet sein. Wenn ich Maßnahmen vermitteln will, müssen die vorher schriftlich fixiert werden, wenn ich inhaltlich etwas vermittle müssen links und rechts des Weges noch weitere Informationen gesammelt werden. Alles was ich sage muss ich belegen können und brauche eine Liste mit belegen, die ich bei Bedarf aufrufen kann (Webseiten/PDFs mit Beamer an die Wand).

Workshop (=am Ende gehen alle mit neuen Todos raus):

  • Tasks in einem Task–Management System vorbereiten (inkl. Beschreibung, Titel, sinnvoller Fälligkeit, weiterer Lektüre, beschreibenden Screenshots). Im schlimmsten Fall tut es auch ein Excel.
  • Die Begründung der einzelnen Tasks und den Weg zur Lösung online zeigen, Fallstricke diskutieren und Verantwortlichkeiten nach Diskussion eines Punktes in den entsprechenden Task eintragen.
  • Keine Scheu vor neuen Tasks, die sich aus Diskussion entwickeln. Aber: Diese gezielt nachbereiten.

Im Idealfall ist man natürlich zu zweit, so kann einer etwas vorstellen, während ein anderer Ergänzungen aus der Diskussion direkt an den einzelnen Aufgaben notieren kann.

Vortrag (=Ich will was erzählen, andere sollen etwas lernen):

  • Noch mehr Vorbereitung, ausführliche Gliederung an die Wand, noch ausführlichere Gliederung vor mir (digital oder analog ist egal)
  • Wenn online Thema ist: Links zu illustrierenden Seiten schon mal in Tabs öffnen (meist lege ich die noch nicht auf den Beamer, sondern hab sie auf dem Rechner und zieh sie rüber, wenn der entsprechende Punkt dran ist
  • Auf fragende Gesichter sofort reagieren und im Zweifel Gliederung live anpassen/erledigte Punkte streichen
  • Schematische Darstellungen (Prozessdiagramme, Strukturen) live an die Wand/Flipchart malen.
  • Graphen und Zahlen entweder als Handout vorbereiten oder an die Wand werfen. Die Entscheidung fällt bei mir immer danach, ob ich erwarte viele Dinge am Beamer zu zeigen, oder nicht. Meistens kommen die Daten aus Tools. Es spricht nichts dagegen das live in den Tools zu zeigen. Auch das lässt sich vorbereiten
  • Handout in Print/Mail/Landingpage mit ausführlicher Gliederung, den wichtigsten Anmerkungen und zu jedem Punkt Links zu vertiefender Lektüre

Ansonsten: Mein Rechner ist immer an den Beamer angeschlossen, zeigt aber nur ein Hintergrundbild, die Seite eines Kunden oder wartet im Standbymodus darauf, ob er verwendet werden muss.

Wie oben schon geschrieben: Powerpoint ist nicht der Teufel, aber häufig nicht das richtige Werkzeug für die zu lösende Aufgabe.

One Response to Die Powerpoint–Geißel — ein dump&run Rant

  1. Recht hast Du, leider gibt es noch zu viele ppt-Präsentatoren und oft wird es sogar „erwartet“ oder man wird schlechter (=unvorbereitet) eingeschätzt, wenn man ’nichts dabei hat‘. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Die Kunst ist ja, genau diese Erwartung durch eine lebendige Non-ppt-Präsentation ins Gegenteil zu wandeln.

    Ach ja, weil Du es ansprichst: Masse war noch nie ein Kriterium für Qualität!

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