Gedanken einen Tag nach dem TV–Duell

Für mich bleibt einen Tag später:

  • Raab war der einzig kritische und etwas herausfordernde Moderator
  • Beide Kandidaten wurden im Training kaputtgespielt. Beide habe ich in kleinen Runden schon erlebt und Schlagfertigkeit und Prägnanz haben beide, konnten oder durften aber nicht normal agieren
  • Die Moderatoren waren teilweise erschreckend ahnungslos und frech. Die Kandidaten mit einer Nachfrage zu einem Punkt zu unterbrechen, wenn der Kandidat in seiner Argumentation gerade offensichtlich darauf hinsteuert ist nicht nur unhöflich sondern zeigt auch, dass man an sauber ausgeführten Argumentationen kein Interesse hat. Logisch, schließlich verstehen sich die Moderatoren offensichtlich so, dass es ihre Aufgabe ist die Kandidaten mit Fragen in eine Ecke zu treiben und festzunageln. Ist es aber nicht. Die Aufgabe der Moderatoren ist es das gegenseitige Befragen und Festnageln der Kandidaten durch Themensetzung neuer Themen von monothematischen Detaildiskussionen und Diskussionskreiseln fernzuhalten.
  • Mein Eindruck war, dass Angela Merkel als einzige in der Runde das Thema NSA halbwegs durchschaut hatte, während alle andern bloß an der Oberfläche gekratzt haben und dass sie durchaus eine Vorstellung hat, wie sie die Probleme lösen möchte. Aber man kann ja nicht allein nach Washington reiten, um da sicherzustellen, dass keine Überwachung stattfindet, sondern braucht eine Einheit der Europäer und die ist schwierig genug, wenn man allein an die Halbeuropäer in Großbrittanien denkt.
  • Insgesamt bleibt: Peer Steinbrück ist soo unüberlegt, dass er beim besten Willen nicht regierungsfähig ist. Lieber Jemanden der an der einen oder anderen Stelle zögernd wirkt, während er Fakten und Optionen sauber klärt, als Jemand der allein durch seine unbedachten Äußerungen Porzellan in Europa, der Welt und bei den Menschen (ja, auch denen in führenden Wirtschaftspositionen) zerschlägt und das selbst noch nicht einmal wirklich wahrnimmt.

[Update 09:00Uhr]: Eine Sache, die ich noch vergessen hatte:
Es handelt sich bei der Bundestagswahl nicht um eine Direktwahl des Bundeskanzlers. Ausschlaggebend sind immer noch:
a) Direktwahlkandidat vor Ort. Wer seinen noch nicht kennt hat nur noch ein paar Tage Zeit sich vor Ort ein Bild von den Kandidaten zu machen. Nutzt Diese Zeit!
b) Programm der Partei

5 Responses to Gedanken einen Tag nach dem TV–Duell

  1. Wo hat Angela Merkel das Thema NSA durchschaut? Ist das Insiderwissen? Im Duell war davon ja nichts zu merken. Viel mehr vergeudete man Luft darauf zu erklären, dass auf deutschen Boden ja gar nichts böses gemacht wird. Und Europaweit will man sogar auch zusammenarbeiten. Dass das für diesen Skandal irrelevant ist, ist doch der wesentliche Punkt.

  2. Moin Mischa,

    wesentlich finde ich, dass Sie darauf hingewiesen hat, dass der deutsche Staat nur begrenzt Einfluss auf die Gesetzgebung anderer Länder hat. Das E-Mails auf jedem Server, den Sie auf ihrem Weg zum Empfänger berühren gelesen werden können ist ewig bekannt. Dass die TOS amerikanischer Unternehmen (exemplarisch Facebook, Google, Dropbox) darauf hinweisen, dass amerikanische Behörden Zugriff auf die Daten erhalten können ist ebenso bekannt.
    Die einzige wirklich neue Qualität ist das gemeinsame Speichern der Daten. Dass andere Staaten Internetverkehr abhören kann doch niemanden, der sich mit der Materie ansatzweise befasst hat wirklich überrascht haben. Und das hat die Kanzlerin im Gegensatz zu den anderen Diskussionsteilnehmern verstanden und tut nicht so, als könnte sie das im Alleingang verhindern.

    Und selbst wenn man mit Briten und USA zu einem Agreement kommt, dass man nicht die Daten der Bürger der anderen Staaten speichert, wird es ein anderer Tun. Auf dieser Basis Sicherheit zu suggerieren wäre Betrug an den Bürgern. Und das weißt Du genauso gut wie ich. Es braucht eine Sensibilisierung der Bürger dafür, wer wann Zugriff auf welche Daten hat und wie ich mich bei Bedarf ein wenig schützen kann.

    So lange die Leute (mich eingeschlossen) E-Mails mit Postkartenstatus verschicken darf es niemanden überraschen, wenn die Jemand mitliest.

  3. Du hast völlig recht, und es wäre jetzt abwegig darüber zu dikutieren, ob die Regierung überhaupt an Datenschutz interessiert ist. Vielleicht ist es diese Haltung „wir haben schon alles getan, schaut mal, wir haben hier ganz viele antworten bekommen (not). der kuchen ist jetzt gegessen und das thema von tisch, basta.“ die mich aufregt. Beim TV-Duell könnte man Angela tatsächlich „Wissen“ attestieren. Bringt uns allen aber nichts. Und wieder eine Nebelkerze gezündet.

  4. Ich glaube ernsthaft nicht, dass das Thema schon gegessen ist. Ich bin aber Realist, was die Geschwindigkeit internationaler Verhandlungen angeht. Und die haben, wie die meisten politischen Themen (aus guten Gründen) eine andere Geschwindigkeit, als die Nachhaltigkeit politischer Debatten in den Medien.

    Merkel hat doch deutlich gesagt, dass für sie (genau wie für Steinbrück) noch nicht alles getan ist, sondern nur ein Teil (der „einfache Teil“) der Themen (nämlich derjenige, der Verletzung deutscher Grundrechte auf deutschem Boden) erstmal geklärt ist.

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