Ich mag die consolidated.db auf dem iPhone

Visualisierung von Johans Bewegungen im Hamburger Umland

Visualisierung von Johans Bewegungen im Hamburger Umland auf Basis der iPhone Daten mit dem iPhone-Tracker


Gerade wird’s durchs Dorf getrieben: Pete Warden und Alasdair Allan vom o’Reilly-Verlag haben sich das iPhone näher angesehen und haben eine kleine Datenbank gefunden, in der (wie ich irgendwie schon im Hinterkopf hatte) Längen- und Breitengrad des aktuellen Handybesitzers gespeichert werden.
Pete Warden hat dafür eine kleine Software ins Netz gestellt, die die Daten fix visualisiert. Das ist schon süß. Aber leider noch weit von dem entfernt, was ich mir wünsche.

Die Zeit hatte für Malte Spitz (Grüne) als Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung die Daten (die man sich erstmal erklagen musste) in einer interaktiven Grafik aufbereitet. Die Visualisierung von Pete Warden kommt dem schon relativ nah. Was aber fehlt:

  • Genauigkeit. Die Daten der Vorratsdatenspeicherung scheinen irgendwie genauer zu sein. Beim Datensatz, den das iPhone mir zur Verfügung stellt sieht das noch sehr ungenau aus.
  • Umfang. Das iPhone speichert nur Latitude und Longitude + Timestamp. Was fehlt sind meine Aktivitäten. Habe ich getwittert? Welche App benutzt? Gesurft? Telefoniert?

Man merkt dem iPhoneTracker an, dass er nur für das Thema consolidated.db sensibilisieren soll, aber vom Praxisnutzen noch relativ weit entfernt ist. Für mich aber noch mal ein spannender Punkt sich in das Thema rein zu wühlen. Alle versuche mich selbst (mit Google Latitude, Foursquare, [setze beliebiger Location based Service ein]) zu tracken sind bisher leider an meiner Schludrigkeit gescheitert.
Ich finde diese Art des geographischen Tagebuchs phantastisch. Insbesondere, wenn man es eben noch mit weiteren Daten wie SMS-Konversationen, Twitter-Stream, Facebook-Photos, etc. anreichert und die Daten dann auch zeitlich erfahrbar macht, und nicht nur in der Masse.

Ich werde mir auf jeden Fall die consolidated.db noch mal in Ruhe ansehen. Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Variante die Daten anzureichern und schöner erfahrbar zu machen.

ps: Leider kann ich derzeit die Daten nur als Screenshot zur Verfügung stellen, da ich noch im Detail prüfen muss, ob ich eventuell Rückschlüsse auf Kunden einer Firma für strategisches Online Marketing ermögliche, die man nicht zu offensichtlich machen möchte.

[Update]: Leider musste ich gerade folgendes bei moeffju lesen:


Nach Analyse der Daten hat sich aber gezeigt, dass offenbar nicht alle Locations jederzeit gespeichert werden, sondern dass die Datenbank mehr als Zwischenspeicher dient. Wenn Location-Dienste benutzt werden, holt iOS die Daten zuerst von Apples Servern, speichert sie dann aber auch zwischen. Beim nächsten Mal kann man dann auch ohne Datenverbindung eine Ortung bekommen (ausprobieren: Flugzeugmodus an). iOS speichert vorausschauenderweise auch gleich die Ortungsdaten für einen gewissen Umkreis um den aktuellen Ort. Ruft man Locationdaten ab und hat Netzverbindung, werden die lokalen Daten nochmal aktualisiert.

Hab es noch nicht getestet. Aber ich will doch bitte wenn schon den kompletten Datensatz, der auch an Apple übertragen wird.

8 Responses to Ich mag die consolidated.db auf dem iPhone

  1. Was insg. fehlt ist eine richtige, über alle von einem genutzten Devices konsolidierte Datenbank, die umfangreiche Meta-, Attention- und Ambient-Data für Dateien, Programme/Apps und deren Inhalte (URLs, Mails) enthält. Echter Lifestream, am besten dazu noch für Quantrified Self Dinge wie Mood, Körpertemperatur, Puls, Blutdruck, Adrenalin-/Cholesterin-/usw-Spiegel… #hach #träum #inflektivnutz

  2. Ich finde die Möglichkeiten auch alle ganz toll. Aber letztendlich möchte *ich* entscheiden können, ob mein iPhone diese Daten speichert. Das ist irgendwie nicht die Angelegenheit von Apple.

  3. Zum Punkt der Genauigkeit sei auf diesen Heise-Artikel verwiesen, in dem es heisst:

    iPhone Tracker bereitet die Daten nach Angabe der Entwickler „mit künstlich reduzierter“ Genauigkeit auf, um die Software für „Schnüffler weniger nützlich“ zu machen. Deshalb lässt sich die Zeitleiste nur wöchentlich bewegen und beim Hineinzoomen verschleiert die Software die genauen Ortsdaten durch ein Raster – die exakten Angaben sind allerdings in der consolidated.db zu finden.

    Ich finde es ein Unding, daß ein Hersteller von Mobilgeräten die Positionsdaten speichert, ohne den Benutzern eine Möglichkeit zu bieten, dies abzustellen. Auch, daß darüber nicht informiert wurde, ist ein Unding. Es handelt sich schließlich um Daten, die dazu führen können, ihrem Erzeuger unangenehme Fragen zu stellen und ihn damit unter Druck zu setzen – Diebstahl des Gerätes mit anschließender Auswertung sind nur ein Beispiel eines Missbrauchsszenarios.

    Ich mag es nicht, daß Benutzern ohne ihr Wissen solche Privatsphäre-Bomben ins Nest gelegt werden.

  4. Hat jemand von euch eigentlich irgendwo herausgefunden, welche Datei der Backups diese Daten enthält? Denn es steht ja überall, dass die DB auf dem Rechner gesichert wird. Nur halt nicht unter Klartextnamen :-/ (Ich habe halt keinen MAC!)

  5. Pingback: Total recall — wir kommen der Sache näher! - Stecki's Blog

  6. Pingback: Mehr Dünnschiss geht nicht: Merkbefreite Fanboys verteidigen Schnüffel-iPhone bei Metronaut.de – Big Berlin Bullshit Blog

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