Garstige Geburtstagsgeschichte

Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein großer Freund kalenderinduzierter Zwangsbespaßung bin. Weihnachten, Ostern, 1.Mai, Towel- und SuiteUpday oder der Schniblo können mir im Wesentlichen gestohlen bleiben.
Das gilt auch für Geburtstage.
Je mehr Social Network desto schlimmer.

Aber: Ich habe Geburtstag:
Eigentlich am 02.November. So ist das seit 1983.
Dieses Jahr im März war es für mich Zeit etwas daran zu ändern.

Das Datum meines Geburtstags bei Xing und Facebook wurde geändert. Auf den 02.April 1983.

Erkenntnisinteresse

Wer gratuliert ein halbes Jahr nach meinem eigentlichen Geburtstag? Und was unterscheidet einen Fake-Geburtstag von einem richtigen? Gut, das Vorgehen war etwas hinterhältig meinen Facebook-Freunden gegenüber, aber was tut man nicht alles für einen pseudowissenschaftlichen empirischen Versuch.
Das Ergebnis des Versuchs hat mich ehrlich gesagt etwas ratlos hinterlassen:

Zahlenmäßiger Vergleich

Im November erhielt ich am 02.11.1983 73 Kommentare auf meiner Pinnwand. Heute Waren es (stand 20:20Uhr) 56.
Dabei muss man ein paar Nachrichten abziehen, die ich wieder gelöscht habe (3), da sie zu deutlich darauf hinwiesen, dass ich gar keinen Geburtstag habe.
5 Weitere Nachrichten von Freunden, die deutlich machten, dass sie es durchschaut haben habe ich stehen lassen. War nicht zu offensichtlich. Ich registriere also 48 Glückwünsche per Facebook.
Auf Xing war sowohl im November (10 Nachrichten), als auch heute (7 Nachrichten) nicht viel los.
Deutliche Unterschiede gab es am Telefon. Ich habe lediglich einen Anruf erhalten, im November waren es 20. SMS habe ich heute keine bekommen (November: 37). Auch persönliche Glückwünsche gab es nur einen. Allerdings habe ich heute auch nicht so viele Leute getroffen…
Ach ja, die persönlichen Nachrichten auf Facebook habe ich für November nicht ausgewertet. Allerdings sind sie gefühlt gestiegen (auf 25).

Spannende Nachrichten

Wirklich spannend war, wer mir alles gratuliert hat:

  • 1 Person, die auch am 02.11. Geburtstag hat (wir kennen uns schon 8 Jahre)
  • Eine Menge Arbeitskollegen, die auch schon im November bei TRG waren
  • 26 Facebook-Freunde, die mir schon im November gratuliert hatte haben erneut gratuliert
  • 5 Gratulanten waren mit auf dem OBMH an meinem Geburtstag (Ich hatte ein Kaltgetränk ausgegeben)

Das nur 26 von 48 Pinnwand-Gratulanten im November schon gratuliert hatten erklärt sich natürlich zum Teil durch den Zuwachs im Netzwerk. Der Facebook Freundeskreis dürfte seit November um etwa 70 Personen auf aktuell 457 Personen angewachsen sein.
Der geringere Gratulationskoeffizient™ dürfte auch auf die Unsicherheit einiger Personen zurückzuführen sein und darauf, dass die Meisten mich doch durchschaut haben.

Es war ein spannendes Experiment.

Ich bin erstaunt, dass so viele auf einen einfachen Wechsel des Geburtsdatums reinfallen.
Bei Vielen ist es gut erklärbar. Sie gehören nur zum erweiterten Netzwerk. Man kennt sich noch nicht lange, man sieht sich selten, oder hat sich lange nicht mehr gesehen.
Wirklich erschreckend fand ich aber, wie viele offensichtlich nicht mehr nachdenken, wenn sie die Geburtstagsbenachrichtigung auf Facebook lesen.
Wobei:
Ich wüsste gerne wer von Euch wider besseren Wissens mitgespielt hat. 😉 Eine Entwicklung, die ich am Anfang gar nicht auf der Pfanne hatte.

Wie dem auch sei:

Ich danke!

Für all die herzlichen Gratulationen
Für all die Trolle, die meine Erhebung kaputt machen wollten
Für die vielen einfallsreichen Glückwünsche, die mich irgendwie in eine komische Ecke schieben.

Beispielhaft seien genannt:

if ($JH==bday) echo ‚alles gute!‘;

von Carolin Mallmann (Twitter)

und wie sollte es anders sein: Der tolle Berni Hochrainer (Twitter) mit dem Versuch einer RegEx:

^(HappyBirthday|AllesGutezumGeburtstag)$
(Und wenn du nicht wirklich Geburtstag haben solltest, gilt dieser String ab jetzt für [0-365] Tage …)

Danke für alle Teilnehmer dieser höchstwissenschaftlichen Erhebung!
Nehmt kalenderinduzierte Zwangsbespassung nicht so ernst. Und wenn doch, dann geht sicher, dass man nicht versucht Euch einen kalendarischen Bären aufzubinden. 😉

p.s: Mein Geburtstag wird natürlich jetzt wieder korrekt gestellt und wird auch am 02.11.1983 bleiben. Auch wenn ich mit dem Gedanken gespielt habe das Datum per Skript jeden Tag verändern zu lassen, um jeden Tag Geburtstag zu haben…

p.ps: Malte wollte gerne einen Link auf seine Geburtstagsauswertung. Zu recht. Schließlich bin ich nicht der einzige, der sich bei sowas pseudostatistische Gedanken macht.

7 Responses to Garstige Geburtstagsgeschichte

  1. Pingback: Meine ganz persönliche Social-Media-Geburtstagsstatistik - Stecki's Blog

  2. Den letzten Gedanken (Geburtstag regelmäßig neu setzen; vielleicht nicht ganz täglich, weil dann doch zu auffällig) hatte ich auch schon. Ist gewissermaßen eine Art Social Media Attention Optimisation (wobei das ja irgendwie unlauterer Wettbewerb wäre) 😉

  3. Ich bin auch drauf reingefallen. Es ist ja auch mehr ein Automatismus: Facebook sagt, dass jemand Geburtstag hat – also gratuliert man.

    Aber eine Schlussfolgerung: Auch zu deinem nächsten (echten|unechten) Geburtstag werde ich nicht gratulieren. So, das hast du jetzt davon. Ätsch!

  4. @Johan ich weiß, worauf du hinaus willst. Doch ist die Gratulation immer gedankenlos? Meine Beschreibung des Vorgangs ist natürlich ein Extrem – das Gedankenlosigkeit impliziert.

    Hätte ich mir deinen Geburtstag falsch in meinem Kalender notiert, dann würde ich doch auch am falschen Tag gratulieren. Wäre damit nicht gedankenlos 😉 Facebook ist doch auch ein Stück weit Ersatz für einen gepflegten Geburtstagskalender… 😉

  5. Hi Johan,

    exakt das Gleiche Experiment habe ich vor 6-7 Jahren auf StudiVZ gemacht. Ich hab nich mehr die Zahlen im Kopf, aber ich habe meinen Geburtstag vom 23. auf den 26.07. verschoben gehabt.

    Meine Erkenntnis:

    – Einige Leute, die auf der Party waren, haben nochmals gratuliert und gefragt, wann die eigentliche Fete stattfindet

    – Keiner meiner langjährigen Freunde/Verwandten ist darauf „reingefallen“, sondern haben mich via PM gefragt, warum ich das mache

    – Ich finde die Glückwünschestreams auf facebook nahezu wertlos. Einigen mag das was Wert sein, mir ist eine persönliche SMS, ein Anruf oder gerne eine E-Mail mit persönlicher Ansprache und einigen Details zur gemeinsamen Geschichte viel lieber als ein Facebook/StudiVZ/Twitter-Post.

    @Simon: Deine Argumentation kann ich nich nachvollziehen 🙂 Einfach nicht gratulieren, weil was ist es DIR Wert, wenn Du wie die anderen in der (wie ich finde) sehr wertlosen Facebook-Gratulationswelle mitmachst?

    Bin gespannt!

    Cheers,
    Tobias

    ps: Wie mein Arzt des Vertrauens immer sagt, so trifft auch hier die Aussage „Es ist alles individuell zu betrachten!“ vollstens zu.

  6. Also ich gratuliere nur denen, denen ich auch gratulieren will – insofern ist es bei mir nicht wirklich gedankenlos.

    Und ja, du hast recht – es war natürlich nur ein (stümpferhafter) RegEx Versuch. 😉

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