Linke in Bargteheide für Eigentumsschutz

Das Autonome Jugendhaus Bargteheide (AJH) wurde am Wochenende „völlig demoliert“ (O-Ton Indymedia-Artikel.

Fünf Fensterscheiben gingen zu Bruch, Möbel wurden umgeworfen, die selbstgebaute Plakatwand für Ankündigungen wurde umgetreten, eine in Eigenregie hergestellte Bühne wurde kaputt randaliert, fünf Türgriffe wurden zerstört und die Birne der Straßenlaterne wurde mit einer Eisenstange zerbrochen.

Für einen Liberalen, der Mitglied in einer angeblich konservativen Partei ist, ist das natürlich per se ein Unding. Eigentum anderer (und auch staatliches Eigentum ist Eigentum) darf niemand verletzen. (Zur Verletzung gehört für mich auch „Umgestaltung“, das Applizieren von Aufklebern, bemalen oder sonstiger Schabernack)

Normalerweise wären solche Zerstörungen Indymedia wohlkeinen Bericht wert. Sind es doch Zerstörungen, die von linksextremen Zeitgenossen (für die Indymedia ein Forum ist) immer wieder an den unterschiedlichsten Standorten im öffentlichen Raum oder an Privateigentum vorgenommen werden.
Die Täter bei der Verwüstung des AJH Bargteheide sollen allerdings Rechtsextremisten gewesen sein. Darauf weise eine allgemein stärkere Präsenz von rechtsextremen Parolen in Stormarn hin (von der ich persönlich noch nichts mitbekommen habe, aber das will nichts heißen) und einige Aufkleber, die im Jugendzentrum hinterlassen wurden.

Interessant ist ein weiterer Teil der Begründung, warum es sich um Rechtsextremisten gehandelt haben soll:

Zu dieser Vermutung passt auch die Tatzeit, denn am Freitagabend war zu erwarten, dass viele Aktive des AJHs in Hamburg gegen eine NPD-Kundgebung protestieren und sich somit eine günstige Gelegenheit für die Demonstration der Gewaltbereitschaft der hiesigen Neonazis bietet.

Während also die Aktiven des AJH an einer Demonstration teilgenommen haben, an deren Rand ein Polizist sogar einen Warnschuss abgegeben hat, als linke Demonstranten versuchten ihn aus einem Streifenwagen zu ziehen und mit Metallstangen zu attackieren (bin gerade zu faul zum Suchen. Quelle: Pressekonferenz der Innenbehörde Hamburg am vergangenen Sonntag). Dazu gab es diverse Verwüstungen, Steinwürfe gegen Polizisten, etc. Das komplette Programm der Linksextremisten halt. Während die Aktiven des AJH also an dieser Demonstration teilgenommen haben (ich nicht weiß, ob sie zu den friedlichen Demonstranten oder zu den Krawallskis gehörten) wurde „ihr“ Jugendzentrum (das eigentlich öffentliches Eigentum ist) verwüstet. Angeblich von Rechtsextremisten, die anstatt auf die parallel stattfindende NPD-Demo in Hamburg zu gehen lieber das Jugendzentrum verwüstet haben.

Ich stelle dazu fest, dass

  1. ich keine Ahnung habe, was oder wem ich in diesem Zusammenhang glauben soll
  2. ich den Aufschrei der Linken, die sonst wenig Respekt vor fremden Eigentum zu haben scheinen verwirrend finde
  3. es in Stormarn keinen Platz für Extremismus gibt. Weder für Linken, noch für Rechten.
  4. die Feststellung, dass Extremismus von Links genauso gefährlich zu finden wie Extremismus von Rechts keine Relativierung der rechtsextremen Gefahr ist.

Den letzten Punkt schreibe ich hier als reine Vorsichtsmaßnahme, bevor mir wieder irgendjemand unterstellt ich würde mit Rechtsextremisten sympathisieren, nur weil ich Linksextremisten genauso bescheuert finde.

10 Responses to Linke in Bargteheide für Eigentumsschutz

  1. Mal abgesehen davon, daß das AJH in Bargteheide eine versiffte, heruntergekommene Bruchbude ist (und das nicht primär an der Stadt liegt) und ich daher fast behauptet hätte, daß man den Schaden nur erkennt, wenn man genau vorher einmal den Zustand aufgenommen hat 🙂 weise ich in diesem Zusammenhang gern auch einmal darauf hin, daß vor ca. einer Woche in einer Nacht über 100 Farbschmierereien (so die Polizei) von vermutlich Antifaschistischen Gutmenschen im Stadtbild aufgebracht wurden, ein paar Fotos hier: http://www.flickr.com/photos/stecki/sets/72157622224767518/
    Insofern stimme ich Deinen vier Punkten zu: Mir sind alle Sorten von Extremisten zuwider!

  2. Die Container im Volkspark 1 waren bis vor wenigen Jahren tatsächlich eine versiffte, heruntergekommene Bude. Grund dafür war dass die Stadt Bargteheide dort Asylbewerber unter unwürdigen Verhältnissen einquartiert hat: das Dach war undicht, sowohl die Böden wie auch die Wände aus Spanplatten waren teilweise eingebrochen. Doch innerhalb von drei Jahren haben Teenager mit Einsatz abertausender unbezahlter Arbeitstunden ein ansehnliches Jugendzentrum geschaffen, das erst vor wenigen Monaten weit über 500 Besucher zum eigenen Festival gelockt hat. Dass die Kosten für die Reparatur und den Umbau inzwischen höher sind, als es zum damaligen Zeitpunkt ein Neubau in Zusammenarbeit mit einem subventionierten Sozialprojekt gewesen wäre (der Stadt wurde ein Kostenvoranschlag vorgelegt, aber es war „zu teuer“) is eine nette Anekdote und ein Indiz für die missratene Politik der Bargteheider CDU.

    Wie auch in der früheren Geschichte ist das AJH ein selbstverwalteter Freiraum der zu großen Teilen von unpolitischen Jugendlichen aller Coleur besucht wird. Hätten Sie sich getraut über den eigenen Tellerrand zu gucken hätten Sie festgestellt, dass dieses Haus nicht von einem Haufen steinewerfender Linksextremisten betrieben wird. Sie aber ziehen es vor eine Ihnen unbekannte Jugendgruppe zu diffamieren, anstatt eben solche Veranstaltungen wie das Festival wie viele andere Bargteheider Bürger als Anlass zu nehmen mal selbst zu erfahren, was das AJH überhaupt ist. Um in Ihrer Sprache zu sprechen zitiere ich mal ein Ihnen politisch nahestehendes Blatt: „BILD dir deine Meinung!“

    Wir haben uns köstlich über Ihre beiden Einträge amüsiert. Mich würde interessieren ob Sie aus Ihrer Jugendzeit auch berichten können, dass Sie jahrelang ehrenamtliche Arbeit geleistet haben, sei es durch Organisation von Veranstaltungen oder tatsächlich schweißtreibender Arbeit. Saufen mit der Feuerwehr lass ich da noch durchgehen, aber Kaffeekränzchen mit den Jungs von der jungen Union sollten dabei besser nich erwähnt werden, sonst muss ich da noch lauter lachen als ich es bei Ihrer Erwähnung des Wortes „Gutmensch“ getan hab! Dazu zitiere ich ein Blatt des deutschen Journalisten-Verbandes:

    „Erstmals findet sich das Wort als Bezeichnung für die Anhänger von Kardinal Graf Galen, der gegen die Vernichtung lebensunwerten Lebens , also die Tötung körperlich und geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten (schließlich mit Erfolg) gekämpft haben. Nicht klar ist, ob der Begriff von Josef Göbbels oder Redakteuren des Stürmer 1941 ersonnen worden ist. Gutmensch geht auf das jiddische „a gutt Mensch“ zurück, womit von den
    Nationalsozialisten auch ein Bezug zu den lebensunwerten Juden hergestellt werden sollte. Adolf Hitler hat in seinen Reden und in Mein Kampf ebenfalls die Vorsilbe gut als abwertend verwendet. So sind für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielen.“

    Mir liegt es fern Ihnen zu drohen, aber wenn Ihr Eigenheim zweimal von einen Haufen junger Rechtsradikaler angegriffen werden sollte brauchen Sie nicht auf mein oder so manch anderes Mitgefühl zu hoffen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Patrick

  3. Bin ein wenig verwirrt. an welcher Stelle habe ich geschrieben, dass im AJH Linksextremisten sind?

    Ich habe lediglich geschrieben, dass es so sein könnte und dass ich mir in Unkenntnis der konkreten Situation und der beteiligten Jugendlichen kein endgültiges Urteil erlaube.

    Dass es sich im Wesentlichen um Linke Aktive handelt glaube ich aber zu wissen. Und dass ein paar Schmierfinken darunter sein könnte halte ich für keine besonders abwegige These.

  4. @Stecki:
    Lernen Sie mit dem Internet umzugehen und lesen Sie die Quellen, die Sie zur Untermauerung Ihres Statements angeben. Sie finden das von mir zitierte Memorandum in Ihrem Link.

    @Johan
    Stehen Sie doch zu Ihrer Meinung, für rhetorische Taschenspielertricks sind Sie nicht gewitzt genug. Ich liefer Ihnen gerne eine Analogie:

    Inzwischen sind uns die Täter bekannt, die Teile des AJH demolierten. Dabei handelt es sich um bereits bei anderen rechten Taten auffällig gewordenen Jugendlichen. Ob und in wie weit diese mit dem Ortsverband der Jungen Union in Verbindung stehn, ist uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

    Verzeihen sie das verleumderische Beispiel, aber wenn sie tatsächlich nicht wissen sollten welche verheerende Wirkung eine solche Ausdrucksweise hat, muss es ihnen anscheinend vor die Rübe geknallt werden. Eine weitere nebulöse Diskussion zu diesem Vorfall erspar ich beiden Seiten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Patrick

  5. Zitat: „Bin ein wenig verwirrt“ … möchte ich voll und ganz zustimmen! Es ist doch nur legitim, dass Artikel über Verwünstungen und Beschädigungen an einem Jugendhaus in unserem Umfeld in der hiesigen Presse erscheinen dürfen. Die Jugendlichen haben mit viel Fleiß und Engagement dieses AJH renoviert. Es organisiert Partys (z. B. Raggae oder Hip-Hop-Musik) an denen jede/-r teilnehmen kann und ist ein Treffpunkt für junge Leute. Wenn dieses also durch Unbekannte – welcher Art oder politischen Meinung auch immer – mutwillig zerstört wird, ist dieses zu ahnden. Dass Sie bzw. Stecki sofort die linke Szene ins Spiel bringen, noch dazu auf dummerhaftige Art und Weise, ist mir wirklich unverständlich und kann nicht ernst genommen werden. Ich ziehe den Hut vor den Jungs und Mädels des AJH und hoffe, dass die Täter ausfindig gemacht werden. Einen Tipp möchte ich noch geben – besuchen Sie doch mal das AJH und / oder beiteiligen Sie sich gerne auch mal an einer Demo gegen Rechts – es kann nichts schaden und würde Ihren Horizont vielleicht etwas erweitern!

  6. @Eine Mutter:

    Bei einer Demo gegen Rechtsextremismus bin ich gerne dabei, wenn ich keine Angst haben muss mit linksextremen Feinden der Demokratie gemeinsam zu demonstrieren. An einer Demo gegen Rechts werde ich mich allerdings nicht beteiligen. Ich unterscheide deutlich zwischen rechts und rechtsextrem, genau wie zwischen links und links extrem.

    Außerdem: Es steht für mich außer Zweifel, dass Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Unabhängig davon, ob sie aus Übermut oder aus politischen Motiven fremdes Eigentum zerstören oder beschmieren, oder andere Mitmenschen angreifen. Alles andere wäre die Tolerierung eines Angriffs auf die Gesellschaft, den kein Demokrat dulden kann.

    Ich habe übrigens schon viel Zeit mit „alternativen“ Jugendlichen verbracht. Im Ahrensburger Speicher (ein autonomes Jugendzentrum) und während meines Studiums an der HWP. Ich betrachte mich vor diesem Hintergrund als durchaus offen, was die Erweiterung meines Horizonts angeht.

    Dass ich mir das Bargteheider Jugendzentrum nicht als Mittelpunkt auserkoren habe sei mir hoffentlich verziehen. Ich habe auch nicht bestritten, dass es da viele sinnvolle Aktionen gibt und ich habe auch nicht das Engagement der Jugendlichen in Frage gestellt.

    Im Übrigen war auch nicht ich es, der einen Zusammenhang zwischen dem Angriff auf das Jugendzentrum und der Demo hergestellt hat, sondern der oder die Schreiber von Indymedia, die bekanntermaßen zur linken Szene gehören.

    Ich gebe zu, dass eine Formulierung wie „die aktiven Jugendlichen“ eine unzulässige Pauschalaussage sein mag. Aber auch diese stammt nicht von mir, sondern bezieht sich auf die Mitteilung von Indymedia.

    Genau deshalb (weil ich indymedia nicht für eine verlässliche Quelle halte) habe ich die 4 Memo-Punkte (hier insbesondere Punkt 1) darunter gesetzt.

  7. Ich fänd es schön, wenn hier alle mit offenem Visier = nicht anonym schreiben würden.

    @Deckname „Patrick“: Leider habe ich nach 15 Jahren im Internet den Umgang damit wohl noch nicht gelernt. Dafür entschuldige ich mich natürlich.

    Das ändert aber nichts daran, daß die Lektüre des betreffenden Wikipedia-Eintrags Ihre Behauptung lediglich als eine von mehreren Thesen darstellt. Sie sollten nicht die Ihnen zur Diskreditierung Anderer am besten passende These selektiv als Faktum verwenden.

  8. Ich denke, es zweifelt keiner daran, dass Jugendarbeit ein wichtiger Faktor zur Integration in die Erwachsenenwelt ist. Jedoch muss man sich schon die Frage stellen, warum die Farbschmierereien in Bargteheide so vielen Menschen Geld kosten muss. Der Wiederaufbau des AJH ist vermutlich durch die Versicherung abgesichert. Der Anschlag galt wohl auch eher als Rache zu den Schmierereien und den etlichen Aufklebern der Antifa, auch wenn diese nur zu Besuch sind (wie lange müssen diese denn noch bleiben, wenn Sie eh nur Schaden anrichten).

    An die Mutter: Ich finde es erschreckender, dass viele Eltern nicht mehr auf ihre Kinder achten, wenn diese unter Drogeneinfluss das Elternhaus betreten und/oder Drogen an junge Menschen verkaufen. Namen wollen wir hier ja nicht nennen, aber irgendwo scheinen einige Kinder kaum noch finanziell abhängig von ihren Eltern zu sein. Solange Sie die Augen geschlossen halten und nur die paar Partys hervorbringen, dann ist die Welt in Ordnung. Aber an so vielen anderen Tagen, an denen das Haus nicht durch ausgebildete Pädagogen betreut wird, scheint da das Paradies zu sein. Weder links- noch rechtsextrem ist die Antwort, aber es ist auch keine Lösung die Polizei mit Steinen zu bewerfen oder mit Metallstangen zu verprügeln. Noch irgendwelche friedliebenden Bürger zu bedrohen.

  9. Es sollte doch dem Fraktionsvorsitzenden der CDU-Fraktion Delingsdorf besseres einfallen, als die selbstverwaltete Jugendarbeit in Bargteheide, die diesen Mai ihr 25jähriges (!) Jubiläum gefeiert hat, als „versifft“ und „heruntergekommen“ zu diffamieren. Es wurde hier ja schon zu Recht daraufhingewiesen, dass grade die Jugendlichen des AJH aus tatsächlich heruntergekommenen Containern ein funktionierendes Jugendhaus gemacht haben. Nebenbei sei angemerkt, dass der Bürgermeister Delingsdorfs beim Tag der offenen Tür im Rahmen der Jubiläumsfeier anwesend war und sich von den tollen Leistungen der AktivistInnen überzeugen konnte – und sich anerkennend äußerte.
    Umso erschreckender ist es, dass hier die Gefahr, die im südlichen Schleswig-Holstein gerade offensichtlich von neo-nazistischen Gruppierungen ausgeht, verharmlost wird. Der Angriff auf das AJH war bereits der zweite, in Schwarzenbeck wurde der Tod von Menschen in Kauf genommen: http://www.ln-online.de/artikel/2660474/_Anschlag_auf_Szenelokal_in_Schwarzenbek:_Bekenneranruf_bei_den_LN_-_und_eine_neue_Drohung!.htm
    Es würde den hier schreibenden Verantwortlichen der Kommunalpolitik besser zu Gesicht stehen, wenn sie sich abseits von ideologischen Scheuklappen verantwortlich mit der Situation der Jugendlichen ihrer Region auseinandersetzten, und diese nicht mit einer üblen Mischung aus Ignoranz und Häme als „versifft“ abkanzelten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.